— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die drei ??? – Das verfluchte Schloss

D 2009. R: Florian Baxmeyer. B: Philip Lazepnik. K: Peter Krause. S: Ueli Christen. M: Annette Focks. P: Studio Hamburg. D: Chancellor Miller, Nick Price, Cameron Monaghan, Anette Kemp, James Faulkner, Axel Milberg u.a.
97 Min. Walt Disney ab 19.3.09

Das sind keine Rätsel, das ist offensichtlich

Von Natália Wiedmann Justus Jonas legt die Stirn in Falten. Insgeheim stellt man sich vor, wie bei umfangreichen Castings Hunderte von Jungs ihre Stirn in Großaufnahme runzelten, nur um den talentiertesten unter ihnen ermitteln zu können – schließlich ist dies eine der Hauptaufgaben des ersten Detektivs. Mögliches Ziel: Intelligenz, die man sieht. Erzielter Effekt: der Eindruck, daß Denken unglaublich anstrengend sei. Ein Eindruck, den man nicht bloß bei der Betrachtung von Justus Jonas gewinnt.

Dabei hätte ein Fundus von Dutzenden verschriftlichten und vertonten Kriminalfällen der Junior-Detektive aus Rocky Beach die Anstrengungen zumindest mildern müssen, bieten sie doch ein Sammelsurium von herrlichen Abstrusitäten wie schreienden Weckern bis hin zu nicht minder vergnüglichen Absurditäten wie einem »Todesflug« im Space Shuttle, wahnsinniger Wissenschaftler inklusive.

Aber dies ist nicht der Ort für die fruchtlose »Film-versus-Vorlage«-Kontroverse, das stellte bereits der Vorgänger Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel durch den geographischen Wechsel klar: Die interkontinentale Reise als Bild für den Entschluß, sich von der gewohnten Drei-Fragezeichen-Welt zwar nicht komplett loszulösen, aber doch zumindest zu entfernen. Weit. Damit erübrigt sich jede Kritik an Fehlbesetzung oder neuer Charakterisierung der Hauptfiguren, vom merkwürdigen Kontrast zwischen halsbrecherischen Gleitflügen und Einschlaf-Teddybären ganz zu schweigen. Reden wir nicht davon, daß Serienfans lediglich mit Alibibezügen abgespeist werden, aus ermittelnden Detektiven Jäger verlorener Schätze werden, kein Wort darüber. Und selbst dem möglichen Einwurf, daß ein Produkt, so offensichtlich vom Ruhm einer Vorlage zehrend, sich an dieser auch messen lassen muß, soll keine Beachtung geschenkt werden. Wir hüllen den Mantel des Schweigens über diese Fragen, und der Mantel des Schweigens kleidet den Film ausgesprochen gut, denn unter der glatten Oberfläche selbstverliebter Schauwerte verbirgt sich nur ein einziges Geheimnis: daß da keines ist. Mögen die Fenster auch noch so sehr mit ihren Läden klappern und Choralgesänge ertönen.

Da werden zunächst Justus’ unter ungeklärten Umständen verstorbene Eltern herbeigehext – pardon, falscher Film: medial herbeibemüht, um der Geschichte mehr Tragik und Tiefgang zu verleihen. Der Tod ist groß, aber alles kann er nun auch wieder nicht. Dem Wechsel vom ernsten zum komischen Register ist das Mißlingen der Emotionalisierung zwar nicht anzukreiden, auch daß gruselige Momente durch Slapstick aufgelockert werden, stellt per se kein Manko dar, aber aufgrund des Fehlens einer klaren dramaturgischen Linie und angesichts penetranter Überinszenierungen vermag keine der Binnenszenen zu überzeugen.

Vertan die Chance, die Geschichte mit den Darstellern mitwachsen zu lassen und so gleichfalls über Zwölfjährige zu adressieren, stattdessen hielt man die Zeit gekommen für schlüpfrige Wortspielchen, die in ihrer Anstrengung zur Witzigkeit genauso nervtötend sind wie einige offenbar als Parodie intendierte Elemente. Zum Lachen sind Hyperbeln wie der »Plan 24b« und die »Regel 38« allerdings nicht, bloß lächerlich, genauso wie der Schießbudensheriff samt Redneck-Erkennungssong und seiner dem Übersinnlichen zugetanen Tochter, wohlwollend höchstens als Meta-Karikaturen zu bezeichnen, deren schauspielerische Tiefpunkte sich sicher nicht zuletzt dem mißlungenen Gesamtkonzept verdanken.

Die Vorführung waffentechnischer Spielereien und neuester Mobilfunktechnik ohne spätere Relevanz sowie das Ausstellen von Spezialeffekten, die ob ihres Einfallsreichtums bewundert werden wollen, verdeutlichen bloß: Hier geht es nicht um Rätsel, sondern offensichtlich um das offen Sichtbare. Und wie auch die Intelligenz muß daher alles Innere nach Außen gekehrt werden: aufgerissene Augen, die im nächsten Moment wieder zugekniffen werden, das Minenspiel für »Idee« – beim nächsten Mal bitte mit mehr Konsequenz die Glühbirne über dem Hohlkopf aufleuchten lassen. Versteckte Reminiszenzen an Filme wie etwa The Shining sind die Rettung nicht; sie schmeicheln zwar dem erkennenden Ego, nicht aber dem Film selbst – wer größer erscheinen möchte, sollte sich nicht neben Riesen stellen. Von wegen Plan 24b und Regel 38. 08/15. 2009-03-13 11:38

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap