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Der rosarote Panther 2

Pink Panther 2. USA 2009. R: Harald Zwart. B: Scott Neustadter, Michael H. Weber, Steve Martin. K: Denis Crossan. S: Julia Wong. M: Christophe Beck. P: MGM, Columbia Pictures, Robert Simonds. D: Steve Martin, Jean Reno, Aishwarya Rai, Alfred Molina, Emily Mortimer, Andy Garcia, John Cleese, Emma Bunton u.a.
92 Min. Sony Pictures ab 12.3.09

Ugly in Pink

Von Daniel Bickermann Um es vorweg zu nehmen: Karin Fongs Vorspann ist das einzige, was diesen Autounfall von einem Film zumindest ansatzweise mit seinen teils brillanten Vorgängerfilmen verbindet: Das ursprüngliche Vorspannkonzept von Friz Freleng aus dem Jahre 1963 verlieh erstmals den einführenden Schriftzügen in ihrer Interaktion mit dem titelinspirierten Cartoontier eine greifbare Räumlichkeit, wenn nicht sogar eine konkrete Körperlichkeit. Eben diese spiegelte sich damals auch in den Filmen, als Peter Sellers auf Seifen ausrutschte, ganze Treppenhäuser hinabstürzte oder mit seinem persönlichen KungFu-Butler Cato die haarsträubendsten Verletzungen austauschte.

Genau diese Körperlichkeit, die eine conditio sine qua non jedes guten Slapstickfilms ist und die einzufangen Karin Fong im animierten Vorspann noch gelingt, vermißt man durch den ganzen restlichen Film hindurch schmerzlich. Steve Martin mag als wunderbarer Knallcharge seine Karriere in fulminanten Auftritten bei Saturday Night Live oder in The Fool begonnen haben, inzwischen aber ist er auf graumelierter Idiot abonniert und kann weder die körperliche Radikalität noch den traurigen Grandeur darstellen, die seit Peter Sellers’ Interpretation untrennbar mit der Clouseau-Figur verknüpft sind.

Der erste Teil dieses Filmreihen-Reboots war ein grenzhomophobes Relikt aus den Tiefen der Bush-Ära, als es noch höchst genehm schien, die französischen »surrender monkeys« zu verhöhnen aus Rache dafür, daß irgendein Landesverräter die geliebten Pommes nach ihnen benannt hat. Der zweite Teil hat nun keine solche Entschuldigung mehr und eigentlich auch keine wirkliche Daseinsberechtung: Nach ausbleibendem Interesse von Publikum und Kritik beim ersten Mal ist die reine Existenz dieser Fortsetzung schon verwunderlich, und der vermeintliche Ausbau der Franchise auf internationale Schauplätze und Charaktere führt zwar zu Kurzauftritten von illustren Größen wie Jeremy Irons, Lily Tomlin, Andy Garcia und Jean Reno, aber auch die bringen nur neue Nationalstereotype auf die Leinwand.

Sie alle scheitern, wie der Film insgesamt, am zu schwachen Drehbuch, das schlicht und ergreifend nicht lustig ist. Die Anstrengungen sind sichtbar, aber der körperliche Slapstick, wie in einer Szene zwischen Clouseau und einer Handvoll Überwachungskameras, ist schlampig inszeniert und gespielt, und die Dialoge bleiben auf Grundschulniveau. Vor allem aber fehlt jeglicher Kriminalfall. Nichts ist mehr mit den größenwahnsinnigen Oberschurken, über deren Pläne Clouseau buchstäblich stolperte; nichts mehr mit absurd verdrehten Auflösungen der zugrundeliegenden Verbrechen von ganz weit hinten. Stattdessen eine unmotivierte Hatz durch Schauplätze und ein inkohärenter Plot, der mit unzusammenhängenden Clues arbeitet, die einfach so aus dem Drehbuchnirvana geworfen werden. Und das frankophone »pidgeon english«, das das Drehbuch allen französischen Figuren andichtet, ist dabei noch ärgerlicher: Wer hätte gedacht, daß man auf französischen Polizeistuben und Wohnzimmern keineswegs französisch, sondern englisch (oder in der Synchronisation deutsch) mit einem grotesken pseudo-französischen Akzent spricht? Jaja, die haben es faustdick hinter den Ohren, diese Franzosen: Lassen uns erst ihre Grammatik pauken und schbreschen dann ’inter ünseren Rühken kischernd wie dieser François aus dem Fernse’en. Selbst die Kleinkinder. Man weiß nicht so recht, ob das lustig oder traurig sein soll.

Das ganze Dilemma des Films wird schließlich anhand zweier Figuren klar, die das Potential zu wahrer Größe gehabt hätten. Da ist die bezaubernde Emily Mortimer als Clouseaus Geliebte, deren natürlicher Charme völlig zugekleistert wird mit grausigem Akzent und einer an den Haaren herbeigezogenen Figurenentwicklung. Und dann ist da noch John Cleese als Dreyfus, eigentlich eine begnadete Besetzungsentscheidung für die Nachfolge des legendären Herbert Lom, dessen hilflose Cholerik Closeaus Vorgesetzten ja in späteren Filmen glaubhaft als Oberbösewicht etablierte, der die Vernichtung der Welt vor allem deswegen anstrebt, um dabei Couseau zu vernichten. Man kann sich den ständig unterdrückten Wüterich Cleese sehr schön in dieser Rolle vorstellen, aber bis auf eine frühe Szene, in der der britische Altmeister sein Gesicht auf höchst unterhaltsame Weise mit den Badezimmerkacheln bekanntmacht, gibt das dahinplätschernde Drehbuch auch seinen formidablen Kanonen kein Pulver. Und das ist das wahre Verbrechen in diesem Film. 2009-03-10 11:20

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