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Captain Abu Raed

JOR 2007. R,B: Amin Matalqa. K: Reinhart "Ray" Peschke. S: Laith Majali. M: Austin Wintory. P: Paper and Pen Films, GigaPix Studios. D: Nadim Sawalha, Hussein Al-Souse, Udey Al-Qadise, Rana Sultan, Ghandi Saber, Dina Raad-Yaghnam u.a.
110 Min. MFA ab 12.3.09

Kein Pilotenfehler

Von Daniel Albers Na ja, der deutsche Untertitel »Wenn Träume fliegen lernen«, ist geklaut, aber er beschreibt tatsächlich gut, worum es im ersten jordanischen Spielfilm, der außerhalb des Landes gezeigt wird, geht: Der vom Leben gezeichnete und in einfachen Verhältnissen lebende Abu Raed arbeitet als Reinigungskraft am Flughafen in Amman. Als er eines Tages eine Pilotenmütze findet, setzt und behält er sie auf, was dazu führt, daß er auf dem Heimweg von einem Nachbarjungen für einen Piloten gehalten wird. Das Gerücht spricht sich schnell herum, und schon bald hat er eine ganze Schar von Kindern am Hals, die nach aufregenden Geschichten lechzen, von denen sie sich ein wenig Abwechslung in ihrem an Perspektiven armen Leben erhoffen. Letztlich gibt der großherzige, belesene Abu Raed nach und läßt seiner Phantasie freien Lauf, als er Tag für Tag neue Geschichten erfindet, die er angeblich erlebt hat. Gleichzeitig nimmt er mehr und mehr Anteil am Leben der Kinder und bekommt unter anderem Einblick in eine Familientragödie. Er beschließt endgültig, aus der Lethargie der Trauer um seine verstorbene Frau auszubrechen und mit Hilfe einer selbstbewußten jungen Pilotin aus reichem Elternhaus – die er zufällig kennengelernt hat – zu versuchen, wenigstens ein paar der Kinder vor einem aussichtslosen Leben in Armut zu bewahren.

In der hier anknüpfenden Geschichte um die Familie eines Kindes, die unter der Herrschsucht und der Alkoholkrankheit des Vaters sowie unter einer scheinbar vererbten Zukunftslosigkeit leidet, zeigt sich die weltweite Allgemeingültigkeit des Ansatzes von Captain Abu Raed. Daneben haben sicherlich auch die absolute Glaubwürdigkeit des Hauptdarstellers Nadim Sawalha, die souveräne Umschiffung der fatalen Klippen des Kitsches und die durchgehend mitschwingende Poesie dafür gesorgt, daß der Film mit internationalen Preisen überhäuft wurde. Und das, obwohl (oder gerade weil) hier selbst auf ein Anreißen der politischen Konflikte des Nahen Ostens komplett verzichtet wurde. Insgesamt ist Captain Abu Raed ein sehr gutes Beispiel dafür, daß auch außerhalb der klassischen Filmländer sowohl inhaltlich als auch formal überzeugende Produktionen entstehen können, denen man eine breite Publikumsresonanz nur von ganzem Herzen wünschen kann. 2009-03-09 10:11
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