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Underworld: Aufstand der Lykaner

Underworld: Rise of the Lycans. USA 2009. R: Patrick Tatopoulos. B: Danny McBride, Dirk Blackman, Howard McCain. K: Ross Emery. S: Peter Amundson. M: Paul Haslinger. P: Lakeshore International, Screen Gems. D: Rhona Mitra, Bill Nighy, Michael Sheen, Steven Mackintosh, Kevin Grevioux, Craig Parker u.a.
92 Min. Sony Pictures ab 26.2.09

Wolfsblut

Von Nils Bothmann Mit neuem Regisseur, aber teilweise gebliebener Besetzung, erreicht nun Underworld: Aufstand der Lykaner die Lichtspielhäuser, ein Prequel zu den vorigen beiden Underworld-Filmen, welches die Vorgeschichte vom Kampf zwischen Vampiren und Lykanern erzählt. Es erläutert sogar den bisher nicht geklärten Unterschied zwischen Lykanern und Werwölfen: Erstere können sich auf Wunsch in Wölfe verwandeln, letztere sind dazu verdammt, dauerhaft in dieser Gestalt zu verbleiben.

Zum Schutz gegen die Werwölfe halten sich die Vampire zu Zeiten des Mittelalters also die selbstgezüchteten Lykaner als Haustiere – zumindest solange, bis diese den Aufstand proben. Tatsächlich läßt sich an dieser Stelle viel in Underworld: Aufstand der Lykaner hineininterpretieren. Er erzählt die Geschichte vom Niedergang einer dekadenten Kultur, die schlußendlich an ihrer eigenen Arroganz zugrundgeht, ihre Feinde quasi im Inneren selbst heranzüchtet. Die Lykaner und jene, die mit ihnen sympathisieren, lehnen sich nämlich gegen diese radikale Zweiklassengesellschaft auf, in der Lykaner mal wie Sklaven, mal wie Tiere angesehen werden, egal welche Dienste sie für die Vampire erbringen. Da sich Lucian, der Anführer der Lykaner, auch noch in Sonja, die Tochter des Vampirfürsten Viktor, verliebt, ist auch noch Platz für eine Art »Romeo und Julia« in kreatürlich, ein Drama um eine verbotene Liebe – durchaus analog zum Jahrhunderte später spielenden Underworld.

Klingt interessant? Ist es aber nicht. Denn trotz vorhandener (oder zumindest hineininterpretierbarer) Subtexte funktioniert Underworld: Aufstand der Lykaner als Text an sich nicht. Der komplette Film erzählt dieselbe Geschichte, die Underworld in fünf Minuten Flashbacks verpackte, und streckt sie mit wenigen neuen Nuancen auf rund 90 Minuten. Doch jedem Kenner des ersten Teils ist klar, daß einer der Liebenden als Brikett endet, der andere dagegen den Kampf noch Jahrhunderte später führen wird. Dazwischen beharken sich die Figuren mit Plattitüden, während sie durch die Burg lustwandeln, die im Gegensatz zu manch anderem Mittelalterfilm aus Hollywood zum Glück nicht so aussieht, als sei sie komplett von IKEA eingerichtet worden. Doch obwohl sich Underworld: Aufstand der Lykaner zum Großteil auf diesen einen Handlungsort konzentriert: Ein packendes Kammerspiel ist Regieneuling Patrick Tatopoulos nicht gelungen, selbst das Verbergen der verbotenen Liebschaft ist allenfalls für ein paar konventionelle Spannungsmomente gut.

Den drei Hauptdarstellern Rhona Mitra, Michael Sheen und Bill Nighy kann man immerhin kaum etwas vorwerfen, spielen sie doch so gut es geht gegen das blasse Drehbuch an, dem es an Herzblut mangelt. Letzteres wird nur in den wenigen Actionszenen vergossen, die an sich recht gut choreographiert sind. Doch leider macht die Regie dem Vergnügen hier einen Strich durch die Rechnung: Eine unmotiviert eingesetzte Wackelkamera, ein hektischer Schnitt, und die allgemeine Düsteroptik lassen den Zuschauer schnell den Überblick verlieren, wer jetzt gerade wem den Kopf abgesäbelt hat. Wer nun mit Freude nach möglichen Subtexten in einem Film sucht, der könnte mit Underworld: Aufstand der Lykaner glücklich werden. Wer aber spannendes oder unterhaltsames Kino sucht, der wird hier im Stich gelassen. 2009-02-20 09:51

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