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Mord ist mein Geschäft, Liebling

D 2008. R,B: Sebastian Niemann. B: Dirk Ahner. K: Gerhard Schirlo. S: Moune Barius. M: Egon Riedel. P: Rat Pack, Babelsberg Film. D: Rick Kavanian, Nora Tschirner, Christian Tramitz, Janek Rieke, Bud Spencer, Axel Stein, Günther Kaufmann, Franco Nero u.a.
109 Min. Warner ab 26.2.09

Text statt Tempo

Von Oliver Baumgarten Die Münchner Rat Pack Filmproduktion um den Produzenten Christian Becker gibt sich seit einigen Jahren den Anschein, die Nostalgiezentrale des deutschen Films zu sein. Die Firma nämlich, so scheint’s, kümmert sich um spezielle Elemente des deutschen Unterhaltungsfilmerbes und versucht, das Wenige, das davon in der Wahrnehmung noch übrig ist, hinüberzuretten ins nunmehr 21. Jahrhundert. Die beiden Wixxer-Filme etwa entstanden hier und ließen den Geist des Edgar-Wallace-Films aufleben, auch den Hui Buh-Film, Die Welle sowie demnächst Wickie und die starken Männer und Jerry Cotton bringen die Münchner, jeweils versetzt mit gängigen Comedy-Elementen und -Gesichtern, in die Kinos. An sich ist das eine sehr rührende Angelegenheit, und Anhänger des deutschen Kintopps bzw. Anhänger des deutschen Fernsehens, das regelmäßig deutsches Kintopp wiederholt, freuen sich auf ein Wiedersehen mit Motiven und Protagonisten jener Zeit. Allein: Das Ganze klappt natürlich nur dann, wenn man die Vorlagen auch ernst nimmt und die Nostalgie auch ernst meint wie etwa bei Der Wixxer geschehen.

Mord ist mein Geschäft, Liebling, die neueste Produktion aus dem Nostalgiehause Rat Pack, baut nun auf die Prinzipien der Eurotrash-Krimis aus den 1960er und 70er Jahren auf – eigentlich. Eigentlich aber auch wieder nicht, denn Sebastian Niemanns Schnurre darbt am wohl weitverbreitetsten Siechtum unter aktuellen deutschen Filmen: der Inkonsequenz. Fragt man sich aber ansonsten oft etwas ratlos, wo wohl die Ursache dafür zu finden sein mag (Fördergremienhobel? Konsensstreben?), so liegt sie hier mal vergleichsweise deutlich auf der Hand: Sebastian Niemann und Koautor Dirk Ahner nehmen ihre Vorlage nicht ernst, womit natürlich jeder parodistische Versuch von vorne herein gnadenlos zum Scheitern verurteilt ist. Das ist dann ein bißchen so wie bei den deutschen »Comedians«, wie sie sich ja selbst bezeichnen: Ihren Figuren und Darbietungen fehlt zumeist komplett die Ebene der Ernsthaftigkeit, die Komödie nunmal braucht, um treffsicher zu funktionieren. Mord ist mein Geschäft, Liebling fehlt damit klar jene Erdung, die äußerlich behauptet wird. Hinzu kommt, daß der Inszenierung eindeutig eine straffe Hand fehlt, die zum Beispiel Rick Kavanians Spieltrieb zu zügeln und zu kanalisieren verstanden hätte, die Nora Tschirner zum perfekten Timing von Pointen gelotst hätte oder die Janek Riekes zweifellos vorhandenes komödiantisches Talent gefördert hätte, eine Hand, die insgesamt und überhaupt für mehr Tempo und weniger Text gesorgt hätte.

Der Plot, der sich eher locker um die Figuren des Profikillers Toni Ricardelli und dem Ex-Mafiosi und Buchautor Enrico Puzzo windet, fußt im wesentlichen auf dem Prinzip der Verwechslungskomödie und versucht sich am Geist des Lässig-Billigen der Eurotrash-Krimis. Hilfe erhofften sich die Macher diesbezüglich von der Verwendung zahlreicher Dean-Martin-Songs, und so beginnt der Film äußerst vielversprechend mit Dean Martins »Mambo Italiano« und einem bunt animierten Vorspann im Stile der Pink-Panther-Klassiker. Und keine Frage: Dean Martin ist lässig. Dean Martin ist sogar sehr lässig, und die Kluft zwischen ihm und allen und allem anderen in diesem Film ist so groß, daß das Unterlegen von Dean-Martin-Songs eigentlich ein Instrument der Selbstironie sein könnte. Ist es aber leider nicht, weil die Macher jene Kluft offensichtlich sehr viel kleiner empfunden haben und vor Selbstironie immer auch die Selbsterkenntnis steht.

Im Grunde gibt es im ganzen insgesamt mäßig komischen Film nur einen einzigen, der nicht fehl am Platze scheint, weil er aus sich selbst heraus überall bestehen kann, der sich mit der Grandezza Dean Martins messen kann, der selbst in seinen wunderbar kraftvollen Zornesausbrüchen noch immer so viel lässiger ist als der lässigste »Comedian« in diesem Film (Christian Tramitz), der Größe ausstrahlt und gleichzeitig voller Würde die Bürgerlichkeit des Eurotrashs: Daß Franco Nero in diesem Film mitspielt, macht wirklich großen Spaß – schade nur, daß nach seinen Auftritten noch so viel Film übrig ist. 2009-02-23 11:45

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