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Place Vendôme

F/GB 1998. R,B: Nicole Garcia. K: Laurent Dailland. S: Luc Barnier, Françoise Bonnot, Jean-François Naudon. M: Richard Robbins. P: Alhena Films, Canal+, Alain Sarde, Studio Images 3, TF1 Films Production. D: Catherine Deneuve,Jean-Pierre Bacri, Emmanuelle Seigner, Jacques Dutronc, Bernard Fresson, François Berléand u.a.
117 Min. Advanced ab 6.5.99.

Diamantenfieber

Von Thilo Wydra Place Vendôme, Paris: In unmittelbarer Nähe von Louvre und Tuillerien ist dieser Platz eine der begehrtesten Adressen der Rive drôite. Hier betreibt Vincent Malivert seinen Juwelierladen, während seine depressive Frau Marianne (Deneuve) dem Alkohol zuspricht. Dann, urplötzlich, bringt sich Malivert um, rast mit dem Auto in den Tod. Geschäftspartner hatten ihn des Handels mit gestohlenen Diamanten beschuldigt, ein absolut rufschädigendes Vergehen, welches sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Spontan übernimmt Marianne die Leitung der Geschäfte und verhindert gar den Verkauf des Unternehmens. Sie blüht geradezu auf, faßt neuen Lebensmut, vergangen scheinen die dunklen Zeiten von Depression und Sucht. Als sie in einem Versteck ihres Mannes unverhofft sieben Diamanten findet, versucht sie überall vergeblich, die Kostbarkeiten zu verkaufen: Angeblich gestohlene Ware. Und schon ist ihr die russische Mafia auf den Fersen, und Battistelli (Dutronc), ein Mann aus fernen Zeiten, der Marianne vor 20 Jahren einmal in Genf hat sitzen lassen, taucht aus der Versenkung auf. So holt die Vergangenheit Marianne wieder ein, und sie erliegt erneut der Versuchung, ihre vielleicht einzige Liebe zu leben.

Im vergangenen Jahr erhielt Catherine Deneuve auf den 55. Filmfestspielen von Venedig den Preis für die »Beste Darstellerin« in Nicole Garcias neuer Regiearbeit Place Vendôme. Garcia vereint mit La Deneuve, Emmanuelle Seigner, Jean-Pierre Bacri und Jacques Dutronc ein erstklassiges Kammerspiel-Ensemble und legt mit Place Vendôme ihren dritten Langfilm vor, zuvor inszenierte sie Un week-end sur deux (1989) und Le fils préféré (1993). Daß Garcia eigentlich Schauspielerin ist und nur selten inszeniert, merkt man ihrem Film an: Regie und Buch lassen den Schauspielern Raum und Zeit, ihre Charaktere durchaus profund zu entwickeln, es wird nicht von Szene zu Szene gehastet, sondern in begründeter Langsamkeit eine Vernetzung von Schicksalen aufgerollt, die lediglich in ihrer Komplexität etwas zu überfrachtet ist. Weniger wäre hier gewiß mehr gewesen. Place Vendôme ist ein unprätentiöser, leiser Film über die Verdrängung der Vergangenheit, über Schicksalshaftigkeit und nicht zuletzt über die unsichtbaren Fallstricke der Liebe. Und womöglich sieht man die mittlerweile 55jährige Grande Dame des französischen Films, La Deneuve, nach etlichen Jahren mittelmäßiger Rollen hier wieder in einem guten, herausfordernden Part. 2009-02-02 11:56

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.

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