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Arlington Road

USA 1999. R: Mark Pellington. B: Ehren Kruger. K: Bobby Bukowski. S: Conrad Buff IV. M: Angelo Badalamenti, tomandandy. P: Arlington Road, Gorai / Samuelson, Lakeshore, Screen Gems. D: Jeff Bridges, Tim Robbins, Joan Cusack, Hope Davis, Robert Gossett u.a.
117 Min. PolyGram ab 1.4.99

Inside Jobs

Von Tom Beyer Ein Paar, Arm in Arm vor dem Eigenheim eines biederen amerikanischen Vororts, den Blick erschöpft, aber glücklich auf das Nachbarhaus des besiegten Feindes gerichtet – eigentlich ein Schlußbild wie aus dem Hollywood-Lehrbuch, und doch markiert dieses Bild in Arlington Road einen der düstersten Filmausgänge der jüngsten Hollywood-Geschichte. Und dies, obwohl Mark Pellingtons routiniert inszenierter Film über weite Strecken eher den Konventionen des Hollywood-Thrillers verpflichtet bleibt und mit bekannten Erzählmustern arbeitet.

Da ist der engagierte Geschichtsprofessor Michael Faraday (Jeff Bridges), der sich beruflich mit der amerikanischen Verfassung und ihrer Haltung zum Terrorismus beschäftigt, und sich durch den neuen Nachbarn Oliver Lang (Tim Robbins) plötzlich auch im Privaten mit den Auswüchsen terroristischen Unwesens konfrontiert sieht. Faraday stößt auf immer mehr Indizien, die Lang als reaktionären Bombenleger zu belasten scheinen. Da erschüttert ein verheerender Anschlag Amerika.

Für sein Skript hat sich Ehren Kruger frei der jüngsten US-Vergangenheit bedient und spielt mit Ängsten, die Anschläge wie der von Oklahoma City bei der amerikanischen Bevölkerung geschürt haben. Das Feindbild kommt dabei nicht mehr aus einer fremden, klar auszumachenden Welt, sondern wohnt in deiner Nachbarschaft, spielt mit deinen Kindern und gibt sich auch sonst durch keinerlei Abnormalitäten zu erkennen. Allerdings gelingt es Regisseur Pellington nur selten, den Zuschauer wirklich zu verunsichern und den Extremismus hinter der bürgerlichen Fassade zu einer beängstigenden Vision zu machen. Statt das Psychogramm eines brandstiftenden Biedermanns zu zeichnen, bleibt Arlington Road doch weitestgehend an der Oberfläche seines Themas und konzentriert sich vor allem im Mittelteil zu sehr auf den Geschichtsprofessor und dessen Aufarbeitung des Todes seiner Frau, die (wie könnte es anders sein) als FBI-Agentin bei einem Einsatz gegen reaktionäre Waffennarren getötet wurde. Diese Schwäche im Aufbau des Films wird noch verstärkt durch einen ziemlich angestrengt agierenden Jeff Bridges. Tim Robbins dagegen verleiht seiner Figur eine eindringliche Präsenz, die durch das überraschende Finale auch nach Filmende bestehen bleibt, und den Zuschauer doch noch so berührt und aufwühlt, wie man es sich für den gesamten Film gewünscht hätte. 2009-02-02 11:32

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.

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