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The Spirit

USA 2008. R,B: Frank Miller. K: Bill Pope. S: Gregory Nussbaum. M: David Newman. P: Lionsgate, Dark Lot Entertainment, Odd Lot Entertainment. D: Gabriel Macht, Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson, Eva Mendes, Sarah Paulson u.a.
103 Min. Sony Pictures ab 29.1.09

Drei Farben: Noir

Von Daniel Bickermann Will Eisners Comicreihe »Spirit« war nie so berühmt wie »Batman« oder »Superman«, dafür umso einflußreicher. Eisner war der Comicautor für Comicautoren, und alle Großen der Branche, von Alan Moore über Neil Gaiman bis Frank Miller, verehren ihn noch heute inbrünstig, schließlich waren seine wagemutigen Experimente mit originellen Perspektiven, narrativen Verknappungen und der Durchlässigkeit von Panel und Gutter wegweisend für ganze Generationen, und der nach ihm benannte Preis gilt als Ritterschlag für Zeichner wie Autoren. Entsprechend brauchte es mit Frank Miller einen Comicautor, der sich des legendären Nachlasses annahm, um dem großen Vorbild in Filmform Ehre zu erweisen: Über 600 siebenseitige Wochengeschichten sind aus den 40ern und 50ern übriggeblieben, eine monumentale Fülle aus Krimi-, Liebes-, Fantasy-, Humor- und Noir-Erzählungen von ungeheurer Ökonomie und Dichte. Und auch wenn Miller sich den Stoff visuell durchaus aneignet, den legendären nachtblauen Mantel des Helden schwärzt und die ganze Welt in seine Lieblingsfarben Schwarz, Weiß und Rot taucht, so schafft er doch einen Film einmaliger Stimmung, der tatsächlich der Vielfalt und Intensität der Emotionen der verspielten Strips gerecht wird.

The Spirit ist ein kichernder Rückgriff auf unschuldigere Zeiten, als man noch Frauen weltweit verführen durfte, ohne Macho zu sein, als man noch mit armdicken Seilen gefesselt wurde und die Bösewichte noch verhaute wie in der guten alten Batman-Serie mit Adam West: Ein maskierter Held ohne Muskeln oder Superhirn, dafür mit Charme, reichlich Humor und einer kuriosen Vorliebe zur Selbstkommentierung schlägt und knutscht sich durch die Frauen- und Unterwelt seiner Heimatstadt Central City. Gabriel Macht zeigt dabei genug Sex-Appeal für drei Filme, ist damit aber noch nicht mal der primäre Hingucker: Samuel L. Jackson verkörpert den im Comic nur aus Handschuhen und Zigarette bestehenden Superfiesling mitsamt seiner kuriosen Fixierung auf Hühnereier abwechselnd als Black Samurai oder Nazi-Zahnarzt und hat dabei soviel Spaß wie seit Tarantino nicht mehr; Scarlett Johansson darf unterdessen hinreißend nebensächlich den Schurken-Azubi geben. Sie alle bevölkern eine schneematschige, Voice-Over-lastige Winterstadt, die von Kameramann Bill Pope brillant ausgeleuchtet wurde und mal an Pennebakers Daybreak Express, mal an Sin City erinnert. Daß Millers Ästhetik nichts mit Realismus zu tun hat, darf man dabei nicht als Makel zählen lassen: Wir bewegen uns hier im Stilisierungsbereich eines Burton und Cocteau – dies ist das Kino der Träume. 2009-02-02 11:59

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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