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Endlich Witwe

Enfin veuve. F 2007. R,B: Isabelle Mergault. B: Jean-Pierre Hasson. K: Philippe Pavans de Ceccatty. S: Véronique Parnet. M: Étienne Perruchon. P: F Comme Film. D: Michèle Laroque, Jacques Gamblin, Wladimir Yordanoff, Tom Morton, Valérie Mairesse u.a.
93 Min. Alamode ab 5.2.09

Nur der Pudel hörte mein Seufzen

Von Carsten Tritt Es ist keine Schande, Filme für ein vorher klar definiertes Publikum zu produzieren. Endlich Witwe etwa ist konzipiert für die sich kurz vor dem oder im Klimakterium befindliche, in fester Beziehung stehende Frau, die sich einen schönen Abend nur mit ihren Freundinnen machen will. Zielgruppenorientierung ist aus Produzentensicht sinnvoll, wirkt aber umso befremdlicher, wenn die Verantwortlichen offenbar annehmen, wer seine Filmtips in Frauenzeitschriften suche, sei auch mit anbiederndem Wohlfühlkino zufriedenzustellen. Wie schon in ihrem Regiedebüt Sie sind ein schöner Mann findet sich auch in Mergaults zweitem Werk vor allem Kino als Lebenshilfe: Hauptfigur Anne-Marie lebt mit Mann und Pudel zusammen, wäre aber lieber bei ihrem Liebhaber und wünscht sich eine Katze. Das Drehbuch, auch von Mergault, bereichert die bekannte Situation noch um etwas müden Witz aus skurril gemeinten Versuchen der Protagonistin, ihre Affäre mit Bootsbauer Leo zu verheimlichen. Das alles ist nicht interessanter als die Frisur des Pudels, bis nach dreißig irrelevanten Filmminuten und einem Autounfall der Ehemann, wie im Titel versprochen, aus der Handlung ausscheidet. Acht Minuten an Parallelmontage später bekommt das auch Anne-Marie mit, die sich zunächst noch ahnungslos bei Leo vergnügen darf, während sich daheim mit der zur Beerdigung herbeieilenden Verwandtschaft das Ensemble für die zweite Filmhälfte vervollständigt. Anne-Marie spielt fürderhin die trauernde Witwe, und tatsächlich gewinnt der Film bei Schilderung der Dreieckskonstellation mit einem toten Partner zumindest etwas an Fahrt. Es gibt eine leicht verächtliche Spitze gegen Klamaukfilme für pubertierende Jungs, was bei einem Film, der selbst nur brav seine Schemata bedient, freilich etwas erstaunt, und nach einer Weile nun zumindest mittelmäßiger filmischer Erzählung gelingt Anne-Marie sogar ihre Selbstbefreiung, aber auch für den Pudel endet alles glücklich. Mutmaßlich lassen sich Pudel und Zielgruppen mit recht überschaubarem Aufwand zufriedenstellen. 2009-02-02 11:58

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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