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Feuerherz

D/A 2008. R,B: Luigi Falorni. B: Gabriele Kister. K: Judith Kaufmann. S: Anja Pohl. M: Andrea Guerra, Stephan Massimo. P: TV60Film. D: Letekidan Micael, Solomie Micael, Seble Tilahun, Daniel Seyoum u.a.
92 Min. Senator ab 29.1.09

Kein Kind von Traurigkeit

Von Bettina Schuler Wahr oder frei erfunden? Diese Frage stellten sich viele Besucher auf der letztjährigen Berlinale nach dem Besuch des Films Feuerherz, der bereits im Vorfeld für Aufregung sorgte, weil die Authentizität der gleichnamigen Autobiographie von Senait G. Mehari, in der sie ihr Leben als Kindersoldatin der eritreischen Befreiungsfront ELF schildert, angezweifelt wurde. Mitschüler warfen Mehari vor, die Tatsachen ins falsche Licht gerückt zu haben, und das von Mehari geschilderte militärische Camp sei in Wahrheit eine Schule der ELF gewesen, in der die Kinder zu keiner Zeit zu den Waffen hätten greifen müssen. Regisseur und Produzent distanzieren sich mittlerweile von dem Buch, das jetzt nur als Inspiration, nicht als Quelle für den Film gilt. Die Assoziation durch den gleichen Namen und eine ähnliche Grundkonstellation jedoch bleibt, auch wenn die nunmehr freie filmische Adaption den Fokus weniger auf den kämpferischen denn auf den menschlichen Aspekt der Geschichte lenkt.

Der Film schildert ebenso wie Mehari in ihrem Buch das Leben der Kindersoldatin Awet, die von ihrem eigenen Vater mit der Schwester in den Kampf für die eritreische Unabhängigkeit geschickt wird und dort, nachdem sie zunächst als zu klein für den Kampf erklärt wird, eine militärische Ausbildung an der Waffe erhält. Der Regisseur Luigi Falorni nimmt dabei die Perspektive des Kindes ein, das sich zunächst wie in einem Abenteuercamp fühlt, und erst, als es mit der tödlichen Realität des Krieges konfrontiert wird, dessen wahres Gesicht erkennt. Falorni vermeidet es dabei, effekthaschende Schreckensbilder des Krieges zu zeigen, und setzt ganz auf die kindliche Perspektive von Awet, die vor allem von den beeindruckenden Waffen und der Stärke der knallharten Anführerin geprägt wird. Doch in dieser durchaus positiven Herangehensweise liegt auch die Schwäche des Films, bei dem man zeitweise den Eindruck gewinnt, daß es sich hier mehr um ein Zusammentreffen von Freunden denn um ein militärisches Camp handelt. Auch das ausgeprägte Selbstbewußtsein, mit dem die kleine Awet gegenüber ihren militärischen Anführern auftritt, wirkt für die angsteinflößende Umgebung und die prekäre Lage, in der sie sich befindet, übertrieben. Immerhin wurde sie plötzlich aus der sehr behüteten und sicheren Umgebung des christlichen Internats gerissen und von ihrem Vater bei Wildfremden ausgesetzt. Doch das scheint ihr Selbstwertgefühl nicht zu stören.

Trotz des sensiblen und heiklen Themas ein wahnsinnig unspektakulärer Film, der im Gegensatz zu Filmen wie Lost Children den Zuschauer ziemlich kalt läßt und in dem man zudem reichlich wenig über den Konflikt zwischen Eritrea und Äthiopien erfährt. 2009-01-26 11:42

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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