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Das Gesetz der Ehre

Pride and Glory. USA/D 2008. R,B: Gavin O’Connor. B: Joe Carnahan. K: Declan Quinn. S: Lisa Churgin, John Gilroy. M: Mark Isham. P: New Line Cinema, Connor Brothers, Avery Pix, Solaris. D: Edward Norton, Colin Farrell, Noah Emmerich, Jon Voight, Jennifer Ehle, Lake Bell, John Ortiz, Frank Grillo, Shea Whigham u.a.
130 Min. Warner ab 22.1.09

Wiederkäuerkino

Von Nils Bothmann Das Genre des Copthrillers steckt in einer Krise, egal wie sehr Starbesetzungen oder immer epischere Lauflängen von diesem Fakt abzulenken versuchen. Trotz einzelner Ausnahmefilme wie Departed – Unter Feinden, der allerdings auch auf der Hongkong-Produktion Infernal Affairs basierte, dominiert das Mittelmaß – auch Das Gesetz der Ehre muß sich in diese Schublade stecken lassen. Ähnlich wie beim letztjährigen Helden der Nacht wirken Unmengen von Dialogen, ja ganze Szenen so, als habe man sie bereits in einem von zig Vorbildern gesehen. Egal wie stark der Satz »We protect our own« von Polizistenvater Jon Voight vorgetragen wird: Er wirkt wie ein bloße Worthülse, wie das Aufsagen eines mehrfach gehörten Zitates. Im Gegensatz zu James Grays Film zeichnet sich O’Connors Werk durch eine striktere, aber auch konventionellere Dramaturgie aus.

In beiden Filmen geht es aber um das Polizeiwesen als quasifamiliäre Struktur, gefördert dadurch, daß viele Polizistensöhne dem Vater nacheifern und die Polizistentöchter ebenfalls Cops heiraten. Ein solcher Familienapparat steht auch in Das Gesetz der Ehre auf dem Prüfstand als Ray Tierney (Edward Norton) bei der Untersuchung eines multiplen Polizistenmordes entdecken muß, daß mindestens ein Mitglied der eigenen Sippschaft in die Geschichte verstrickt ist. Es folgt das übliche Ringen, ob man familiäre Loyalität über das Gesetz stellen darf, und die interfamiliären Konflikte verschärfen sich bis hin zu tragischen Konsequenzen. Alles irgendwo zwischen Serpico, L.A. Confidential und Cop Land angesiedelt und dementsprechend recht vorhersehbar.

Insofern sind es lediglich Momentaufnahmen, die aus dem Einheitsbrei herausstechen. Eine komplett in einer Einstellung gefilmte Tatortbesichtigung. Eine derbe Prügelei, die durch fröhlichen Irish Folk im Hintergrund konterkariert wird. Ein Finale, das eindeutige Parallelen zu den Aufständen zieht, die dem Rodney King Skandal folgten. Und ein Gespräch, bei dem ein Auto als Beichtstuhl und ein Journalist als Priester fungiert. Ebenfalls eindrucksvoll ist die Darstellung der korrupten Cops, da die selbsternannten Herren über Recht und Gesetz zum Schutz der eigenen Verwandtschaft gleichzeitig die Familien anderer eiskalt bedrohen. Beruflich sind sie Killer, privat liebende Verwandte, was viele Szenen am heimischen Familientisch als pure Bigotterie erscheinen läßt. Es sind diese Momente, die in Erinnerung bleiben, der Rest des Films ist purer Standard von geringer Einprägsamkeit. 2009-01-20 11:45

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