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Alles für meinen Vater

Sof Shavua B'Tel Aviv. D/IL 2008. R: Dror Zahavi. B: Ido Dror, Yonatan Dror. K: Carl-Friedrich Koschnick. S: Fritz Busse. M: Misha Segal. P: Relevant Film, Israfilm. D: Hili Yalon, Shredi Jabarin, Shlomo Vishinsky, Rosina Kambus, Shadi Fahr-Al-Din u.a.
110 Min. Kinowelt ab 22.1.09

Spätzünder

Von Christian Lailach Guten Tag, der Schalter ist kaputt. Können Sie einen neuen besorgen? Wie lange dauert das? -- Daß sich das auch mal ein paar Tage hinziehen kann, ist nicht nur in Tel Aviv gut möglich. Selbst im gutsortierten Fachhandel wartest du mal länger, mal kürzer auf ein Ersatzteil. Nur kommst du selten mit der Absicht in den – Ding! Dong! – Laden, dich bei nächster Gelegenheit in die Luft zu jagen. In Israel kommt dies rein statistisch gesehen seit Errichtung der Mauer 2003 auch kaum noch vor, doch ist in einer Welt, die gegen das große, mittlerweile global vernetzte »T« kämpft, ein Selbstmordattentat noch immer eng mit dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verknüpft, auch oder gerade weil die Angst vor neuen Anschlägen in der schwülen Mittelmeerluft nicht abklingen mag.

So hat sich mit Zahavi Alles für meinen Vater an eine stringente, erwartbare Geschichte gesetzt. Palästinenser Tarek, dessen alter Zünder aus dem Elektrobaukasten ihm eben den Dienst versagt hat, landet – noch immer bombenbegürtelt – im Laden des jüdischen Elektrohändlers Katz und wartet nun auf Ersatz. In der Zwischenzeit repariert er dessen Dach und bändelt ein wenig mit Keren an, was wiederum dem Möchtegern-Ordnungshüter von nebenan nicht so recht gefallen mag. Sie hingegen ist fasziniert von dem Palästinenser, zumal er ihr den sonst so tristen, von der streng orthodoxen Familie geprägten Alltag ein wenig erhellt. All das ist denn ein bißchen fragwürdig, schemenhaft, romantisiert, und so verbieten sich realistische Fragen, wie es ein Mensch schafft, eine hochexplosive Weste zwei Tage lang vor einer sonst eher aufgeregten Gesellschaft zu verbergen, wenngleich seine Abstammung so offensichtlich wie ein Generalverdacht aufgrund dieser gerechtfertigt ist.

Vor solchen Ungereimtheiten driftet das Kammerstück ein wenig ins Komödiantische ab, du schmunzelst auch mal und fragst dich, wie es denn sonst hätte laufen können. Hast du einen besseren Vorschlag? Nein, zumindest keinen politisch korrekten. Auf den wurde der in Deutschland lebende Zahavi aber geprägt, und er läßt seine Protagonisten – wenn auch nett anzuschauen – immer weiter auf dem immer gleichen Kopfsteinpflaster tanzen. Als dann das nicht abzuwendende Finale naht und David sich doch Goliath opfert, wird aus Feindsein ein Handwerk. Und wenn der Meister anruft, machst du auch mal blau. 2009-01-19 11:48

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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