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Lulu und Jimi

D 2008. R,B: Oskar Roehler. K: Wedigo von Schultzendorff. S: Bettina Böhler. M: Martin Todsharow. P: EMC Produktion, X Filme, Senator Film Produktion. D: Jennifer Decker, Ray Fearon, Katrin Saß, Udo Kier, Rolf Zacher, Bastian Pastewka, Ulrich Thomsen u.a.
94 Min. X Verleih ab 22.1.09

Rock’n’Roehler

Von Bettina Schuler Oskar Roehler ist bekannt für seinen zynisch-satirischen Blick auf die deutsche Gesellschaft: Bekamen es in Silvester Countdown vor allem die Mittzwanziger zu spüren, die es vor lauter Feierfreude und Egomanie nicht schafften, eine halbwegs normale Beziehung zu führen, so muß in seinem neuesten Film Lulu und Jimi die Gesellschaft der 1950er Jahre dran glauben. In dieser Zeit, genauer gesagt in seinem Geburtsjahr 1959, siedelt Roehler die melodramatische Liebesgeschichte zwischen der frech-kecken Lulu und dem Afroamerikaner Jimi an, der sich sein Geld auf dem Rummel verdient, wo er die überaus hübsche Lulu trifft und sich sofort unsterblich in sie verliebt. Doch wie könnte es in einem Märchen anders sein, die böse Mutter hat bereits einen anderen für sie im Visier, den schnöseligen Ernst, der zwar keinen Schneid, dafür jedoch jede Menge Kohle hat. Und darauf kommt es in der Welt der 50er nun mal an. Was folgt, ist ein wildes, kunterbuntes Roadmovie, das recht schnell klar macht, woher Roehler die Inspiration für seine Geschichte nimmt: von David Lynchs Wild at Heart, an dem sich Roehler sowohl inhaltlich als auch stilistisch orientiert, an dessen Kunst der Absurdität und dessen Spiel mit Klischees er jedoch leider nicht herankommt. So gelingt es David Lynch in Wild at Heart, ein Liebespaar zu kreieren, das trotz seiner überzogen stereotypen Darstellung, durch seine Radikalität und Bedingungslosigkeit, wahnsinnig cool ist. Wohingegen Lulu und Jimi bei Roehler mehr wie billige Witzfiguren wirken, die bei ihrer Kleiderwahl immer knapp daneben liegen und scheinbar zuviel Grease geschaut haben. Was auch an der Deutlichkeit liegen mag, mit der Roehler die Stereotypen auf die Spitze treibt: ein pinker Pudel, ein straßbesetztes Radio und ein Vater im Bootsy-Collins-Style, Roehler läßt kein visuelles Klischee der 50er Jahre aus. Hauptsache, es ist knallbunt.

Allein in manchen absurden Momenten, in denen Lulu sich zwischen hypnotischem Wahn und Realität bewegt, dringt Roehlers Können durch. Hier gelingt es ihm, eine seltsame Stimmung zu kreieren, die zwischen Traum und Realität zirkuliert. Was auch dem großartigen Udo Kier zu verdanken ist, der in Lulu und Jimi den Part des Geliebten von Lulus Mutter übernimmt und wie immer fies, gruselig und beeindruckend ist. Doch wischt dies über die restlichen Schwächen dieses ambitionierten Films nicht hinweg. 2009-01-19 16:47

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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