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Man on Wire

GB 2008. R: James Marsh. K: Igor Martinovic. S: Jinx Godfrey. P: Wall to Wall. D: Philippe Petit, Paul McGill, David Roland Frank, Ardis Campbell, David Demato, Aaron Haskell u.a.
94 Min. Arsenal ab 22.1.09

Schön geträumt

Von Kristina Schilke Die ersten (scheinbar) konventionellen Minuten vergehen, es erscheint der Titel Man on Wire und dann… Dann taucht beim Zuschauer ein leises Lächeln auf, das man etwas ungläubig, verträumt mit seinen Händen verdeckt und das bleibt. Es geht um Philippe Petit, ein sehniger Franzose um die fünfzig, mit breiten Lippen, liebenswert lebendig, der mit einem übermächtigen französischen Akzent Englisch spricht. Mit seinen Mitrednern – seinen Freunden und Helfern – erzählt er vom »Le Coup«, damals 1974. Philippe, ein Junge aus strenger Erziehung, brachte sich das Seiltanzen bei, Zaubertricks und Jonglieren, war aber schon immer etwas illegal bei der Standortwahl seiner Seiltänze. So spannte er ein Seil zwischen die beiden Kirchtürme des Notre Dame oder auch zwischen zwei Masten der Harbor Bridge in Sydney, wo er mit seiner Performance einen Stau auslöste. Schon Jahre vor diesen Coups hatte er in einem Zahnarzt-Wartezimmer einen Artikel über die baldige Entstehung eines Gebäudekomplexes gelesen, der den Eifelturm überragen soll: die Twin Towers des World Trade Centers in New York. Es war klar, er mußte diese Türme irgendwann beherrschen. Noch klarer drückt es einer seiner Freunde aus: »Natürlich wurden die Twin Towers für Philippe gemacht.«

In der einmaligen Story besteht jedoch nicht die eigentliche Leistung von Man on Wire, denn hier wird etwas vollbracht, das ausnehmend selten ist in diesem Genre: die perfekte Symbiose zwischen Bild und Musik, dazu wertvolle und unschätzbare Momente der Stille, der Meditation und letztens, was tatsächlich nur große Kunstwerke schaffen, Inspiration. Am Ende verbleibt lediglich die Frage: Warum nicht? Warum sollte man nicht auf einem Seil zwischen den Twin Towers tanzen wollen? 2009-01-19 11:45

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