Ohne Blut und doch nicht blutleer
Von Kristina Schilke
Vor einigen Wochen feierte in den USA ein Film »bloody good« Premiere, für den Hollywood prophezeihte, er könne ein Genre revolutionieren, das der Chick Flicks nämlich, wenig bis gar nicht erträgliche romantische Frauenfilme. Dieser rettende Film war
Twilight – Biss zum Morgengrauen. Basierend auf der erfolgreichen Trilogie »Twilight«, »New Moon« und »Eclipse« der amerikanischen Jugendbuchautorin Stephenie Meyer adaptierte Melissa Rosenberg den ersten Roman für die Leinwand (Autorin von u.a.
Dexter und
Ally McBeal), Regie führte Catherine Hardwicke (sonst eher auf schwere Kost wie das Drama
Thirteen spezialisiert).
Diese Frauenriege hat nun folgendes vollbracht: Sie hat eine simple Geschichte genommen (High-School-Schülerin Bella Swan verliebt sich in den Vampir mit Gewissensbissen, Edward Cullen), hat sie in die blaubergige Landschaft des mittleren Westens angesiedelt, hat sie clever mit (bis dato) unbekannten, aber sexuell aufgeladenen Typen besetzt und dazu mit viel Atmosphäre ein perfektes Stück Genrekino geschaffen. Und das überrascht vor allem damit, daß in diesem Vampirfilm bis zum Höhepunkt kein einziger Tropfen Blut fließt, Gewaltszenen nur angedeutet werden und sexuelle Aktivitäten jenseits von Küssen nicht existieren. Mag die Vorlagenautorin Stephenie Meyer auch gläubige Mormonin und dreifache Mutter sein: In Zeiten von Exzeßfilmen wie
Hostel und
Saw erstaunt diese scheinbar unpassende Gewalt- und Sexlosigkeit positiv – ebenso übrigens wie die schwelgerische Atmosphäre, die schön fotographierten Bilder, die ordentlichen Dialoge und die blassen, gut aussehenden Menschen.