— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Saw V

USA 2008. R: David Hackl. B: Patrick Melton, Marcus Dunstan. K: David A. Armstrong, Matthew CooperKay. S: Kevin Greutert. M: Charlie Clouser. P: Twisted Pictures. D: Tobin Bell, Costas Mandylor, Scott Patterson, Julie Benz, Mark Rolston, Betsy Russell, Meagan Good, Carlo Rota u.a.
92 Min. Kinowelt ab 15.1.09

Er kam, sah und sägte

Von Nils Bothmann 1989 entwickelte Filmwissenschaftlerin Linda Williams das Konzept der Stellenlektüre, demzufolge Anhänger der Genres Pornofilm, Musical und Horror die Filme trotz immergleicher Handlungen rezipieren, da diese eben sekundär sind, sondern es primär um die »Nummern« geht, die von den Plots verbunden werden. Das von Williams beschworene Bild der Videodandys im Horrorbereich, welche die Werke von Carpenter, Argento und Romero ebenso rezipieren wie uninteressanten Schund, indem sie zwischen den Bluttaten vorspulen, mag etwas übertrieben sein und nur wenig Entsprechung in der Realität finden. Doch »Stellenlektoren« sind eine der beiden Zielgruppen, für die Saw V noch ansatzweise geeignet ist – bei der zweiten handelt es sich um die ganz besonders hartgesottenen Saw-Fans. Denn selbst für den geneigten Freund des Erstlings ist Saw V nur schwer erträglich.

2004 war Saw noch ein fieser, kleiner Thriller mit harten, aber nicht selbstzweckhaften Gewaltspitzen, doch die Sequels gingen zunehmend in immer derberen Blutszenen auf, vernachlässigten die Geschichte aber immer mehr. Gleichzeitig stemmt man mittlerweile binnen Jahresfrist jeweils einen neuen Saw-Teil ins Kino, ein Output, von dem selbst die Freitag, der 13te- und Amityville-Reihen zu ihren besten Zeiten nur träumen konnten. Doch während man dort noch jeden Film einzeln rezipieren konnte, sind die Saw-Sequels für eine Generation von DVD-Sehern kreiert; ohne Kenntnis der Vorgänger ist ein Einstieg in Saw V kaum möglich.

Saw V ergeht sich – mehr noch als bereits Saw IV – darin, diverse Szenen der Vorgänger aus neuen Perspektiven zu zeigen, dadurch umzudeuten und durch diverse Rückblenden massig Filmmaterial zu recyceln. Insofern werden die harten Saw-Enthusiasten vielleicht freudig notieren, welches Detail ihnen hier und dort auffällt, den großen Nachteil des Ganzen allerdings übersehen: Für einen Mainplot nimmt sich Saw V keine große Zeit. Fünf ausgesprochen unsympathische Fremde (darunter Julie Benz, die diesen Film nach zwei Staffeln Dexter an sich nicht nötig hätte) müssen mal das mörderische Spießrutenlaufen bestehen und werden dabei dezimiert – die ursprüngliche Saw-Idee der Sühne durch Selbstaufopferung blitzt da nur noch im Kleinen durch.

Insofern blicken Freunde einer spannenden Handlung ebenso in die Röhre wie Fans origineller Inszenierungen, denn Regiedebütant David Hackl, vorher Production Designer und Fallenerfinder bei den Saw-Teilen zwei, drei und vier, kopiert ideenlos den Stil der Vorgänger: düstere Farbfilter, schnelle Schnitte und Reißschwenks im Dutzendpack, selbst in einigen ruhigen Szenen bis zum Exzeß verwendet. Doch selbst die »Stellenlektoren« werden bei diesem tristen Filmchen nicht ins Visier genommen: Den Mordszenen mangelt es an Intensität und Spannung, die der erste Saw bot, allerdings schraubt man den Blutgehalt ebenfalls zurück – ein ehrbarer Schritt back to the roots, den der Rest vom Film leider nicht macht.

Saw V ist lustlos am Zuschauer vorbeigeschrieben und -inszeniert, und als wolle man das Desinteresse noch verbildlichen, rollt der Abspann direkt nach Verhackstückung des letzten Opfers los – nicht ohne zwei, drei offene Fragen für den bereits beschlossenen sechsten Teil zu lassen. Das ist aber nur der letzte Sargnagel für Saw V, mit seinem dauernden Materialrecycling mehr Frechheit als Film an sich – ein unsägliches Werk durch und durch. 2009-01-13 11:55
© 2012, Schnitt Online

Sitemap