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Sieben Leben

Seven Pounds. USA 2008. R: Gabriele Muccino. B: Grant Nieporte. K: Philippe Le Sourd. S: Hughes Winborne. M: Angelo Milli. P: Columbia Pictures, Escape Artists, Overbrook Entertainment. D: Will Smith, Rosario Dawson, Woody Harrelson, Barry Pepper, Madison Pettis u.a.
123 Min. Sony Pictures ab 8.1.09

Innere Werte

Von Daniel Bickermann Ein Mann läßt sein Leben zurück, verschenkt sein Haus, zieht in ein Motel. Er trifft eine Frau, die sagt, ihr Leben wäre nicht bemerkenswert. »Nicht bemerkenswert, das wäre ein Fortschritt für mich«, murmelt der Mann. Er lächelt dabei. Wer ist dieser stille Anzugträge, der als Steuerfahnder das Leben kranker Menschen durchstöbert und dabei immer ein bißchen zu privat wird? Sein Paß zeigt den Namen Ben Thomas, aber sein Bruder nennt ihn Tim. Was für ein Mann hält sich als einzigen Besitz eine tödliche Giftqualle als Haustier?

Das Drehbuch zum Hollywood-Melodram Sieben Leben ist so radikal in seiner Ambivalenz, daß in etwas subtileren Händen daraus ein durchaus kontroverses Moraldrama im Stile von Sprich mit ihr hätte werden können – wahre Erlösung findet sich auch hier nur im ethischen Tabu. Leider deutet Regisseur Gabriele Muccino die Doppelbödigkeit seiner Geschichte nicht ganz aus, weil er sich anfangs zu sehr von mysteriösen Andeutungen und frühen Spannungselementen um die Identität seiner Hauptfigur ablenken läßt und später ein paarmal zu stark auf die Tränendrüse drücken will. Trotzdem übersteigt sein dunkel ausgeleuchteter Film thematisch ähnliche Ware wie den plumpen 21 Gramm schon allein durch seinen bewegenderen Protagonistenkonflikt.

Daß dieser so überzeugend ausfällt, hat man einer selten starken Leistung von Will Smith zu verdanken, schon seiner zweiten unter Muccino, nach dem insgesamt etwas schwer verdaulichen Das Streben nach Glück. Smith spielt diesen menschlichen Katalysator, der in Selbsthaß und Altruismus buchstäblich ersäuft, ohne jedes Pathos, als leisen Lebensmüden, als ehemaligen Überflieger, den das Schicksal irreparabel zusammengedrückt hat, der in jedem kleinen Glücksmoment sofort wieder erinnert wird an die Unmöglichkeit eines normalen Lebens.

Passend dazu versetzt Komponist Angelo Milli seine traditionell-melancholische Musik mit ständigen, scheppernden Dissonanzen, um Protagonisten und Zuschauer nicht allzutief in Glückseligkeit oder Selbstmitleid abdriften zu lassen und stattdessen an den Bruch des Charakters und seine daraus resultierende Agenda zu erinnern.

Was sich manchmal anfühlt wie ein klassischer Taschentuchfilm aus Großstudiohausen, offenbart auf diese Weise immer wieder geschickt plazierte moralische Doppelbödigkeiten, wenn etwa der wieder einmal herausragende Barry Pepper seine kurzen, aber erschütternden Auftritte als Bens bester Freund hat oder wenn die dankbaren Hilfsbedürftigen merken, daß auch sie nur Projekte sind im Leben im Leben dieses geheimnisvollen Mannes. 2009-01-07 12:05

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