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Bedtime Stories

USA 2008. R: Adam Shankman. B: Matt Lopez, Tim Herlihy. K: Michael Barrett. S: Tom Costain, Michael Tronick. M: Rupert Gregson-Williams. D: Adam Sandler, Keri Russell, Guy Pearce, Russell Brand, Courteney Cox, Lucy Lawless u.a.
94 Min. Disney ab 25.12.08

Ohne Message keine Competition

Von Nils Bothmann Früher war der Disney-Weihnachtsfilm eine Institution, die es sich zur Aufgabe machte, Kinder alljährlich mit Zeichentrick wie Die Schöne und das Biest zu beglücken. Zeichentrick ist mittlerweile out, Animation ist in, aber da läßt Disney lieber Pixar ran. Seit dem ernormen Erfolg der stets um Weihnachten startenden Herr der Ringe-Filme werden von den Studios immer wieder Fantasyfilme im Dezember plaziert, von Eragon über Der goldene Kompaß bis hin zum aktuellen Tintenherz. Doch tatsächlich scheint auch Disney die besinnliche Jahreszeit zurückerobern zu wollen, letztjährig mit dem überraschend selbstironischen, gelungenen Verwünscht und nun mit Bedtime Stories.

Leider schien Verwünscht sämtlichen ansatzweise beißenden Witz für die kommenden zwölf Monate aufgebraucht zu haben, denn Bedtime Stories ist nicht mehr als handelsüblicher Kitsch, ein Destillat aus tausendmal Gesehenem. In der Hauptrolle darf sich Adam Sandler austoben, der ja durchaus witzige Filme machen kann (Die Wutprobe), gelegentlich sogar echtes Schauspieltalent zeigt (Die Liebe in mir). Bedtime Stories domestiziert den ehemaligen Zotenkönig allerdings für alle Altersstufen, sodaß man sich über einfallsreiche Gags wie sich den Kopf stoßende Menschen, hinfallende Menschen oder mit Löschschaum vollgesprühte Menschen freuen darf. Es wäre sicherlich Potential für satirischen Witz dagewesen (z.B. die an Paris Hilton gemahnende Hotelerbin), aber daran schien man kein Interesse zu haben. Stattdessen zeigt man lieber mehrfach ein Meerschweinchen mit übergroßen Augen als Running Gag. Dazu gibt Sandler zum xten Mal den liebenswerten Simpel, der von der Umwelt übergangen wird, aber eine zweite Chance bekommt. Hier durch von ihm erzählte Gutenachtgeschichten, die als Parabeln fungieren, deren metaphorischer Inhalt sich später im Leben der Hauptfigur manifestiert – auf positive wie negative Weise.

Neben den seichten Gags, die bestenfalls bei der ganz jungen Zuschauerschaft zünden dürften, nutzt Bedtime Stories natürlich auch das Medium für eine Botschaft – schließlich gilt bei Disney: »Ohne Message keine Competition«. Offiziell steht hier also das Gebot an, man solle immer für sich bzw. seine Lieben kämpfen und nie aufgeben, ja nicht den Glauben an das Happy End im realen Leben verlieren. Die nicht intendierte, aber ebenfalls vorhandene Botschaft ist allerdings folgende: Viel zu oft wird Film als Fließbandware verstanden, produziert von rein am Gewinn interessierten Konzernen. Anders kann man das dreiste Ende kaum deuten, das eine Fortsetzung dermaßen offen ankündigt, daß der darauffolgende »The End«-Schriftzug zum blanken Hohn verkommt.

Allerdings könnte eine Fortsetzung fast nur besser werden als dieses seelenlos gefertigte Konsensprodukt, dem es an Profil sowie pädagogischem Gehalt mangelt. Denn trotz der propagierten Botschaft wirkt Bedtime Stories so ehrlich wie ein Milli-Vanilli-Auftritt, was sich sogar in den filmischen Mitteln niederschlägt. Der Held hält die obligatorische Pathosrede am Ende – Kamerafahrt von hinten, um Helden und Publikum einzufangen. Der Großunternehmer ist gerührt von diesen Worten – Zoom In auf das Gesicht des entsprechenden Darstellers. Als hätte man hier das Handbuch für standardisierten Kitsch vor sich liegen gehabt, als habe man auf keinen Fall vom Schema F abweichen wollen.

Allenfalls schade ist es um die schauspielerischen Leistungen. Während Sandler nur alte Rollenklischees reproduziert und Keri Russell auf das Bild der angeblich so frechen, aber meist nur aseptisch neben Sandler stehenden Frauenfigur reduziert wird, da sind in den Nebenrollen wirklich tolle Auftritte dabei. Guy Pearce gibt den Fiesling unterfordert im Schmierlappen-Modus, aber seine Musicaleinlage ist klasse. Courtney Cox als gestrenge Schwester der Hauptfigur läßt ebenfalls keinen Grund zur Klage. Am besten kommt aber Komiker Russell Brand weg, der wie in Forgetting Sarah Marshall und St. Trinian's für die skurrile Nebenrolle verantwortlich ist und einige der wenigen guten Gags bringen darf.

Mit eiskalter Berechnung drückt man diesen Retortenfilm dann am 25. Dezember in die deutschen Kinos, um auch ja alle Familien in der Ferienzeit zu erwischen. Am besten eignet sich Bedtime Stories dann auch dafür, all jene quengelig-maßlosen Kinder, die nach reichhaltiger Bescherung immer noch nach neuer Belustigung kreischen, im Kino zu parken, in der Hoffnung, daß ihnen das Popcorn im Halse steckenbleibt. Die braven Kinder kann man hingegen mit einem DVD-Abend im Kreise der Familie belohnen – Die Schöne und das Biest oder Verwünscht würden sich dafür anbieten. 2008-12-22 11:50
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