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The Warlords

Tau ming chong. CN 2007. R: Peter Chan. B: Cheun Tin-Nam, Junli Guo, Jiping He, Huang Jianxin, Jo Jo Hui u.a. K: Arthur Wong. S: Chris Blunden. M: Kwong Wing Chan, Peter Kam, Leon Ko. P: Applause, Beijing Jinyinma, Beijing Poly-bona, Chengtian, Morgan & Chan, Stellar. D: Jet Li, Andy Lau, Takeshi Kaneshiro, Jinglei Xu u.a.
113 Min. KSM Kinostar ab 8.1.09

Lebe wohl, mein Schlachtroß

Von Werner Busch Es ist ein gewaltiges Hauen und Stechen. Staub vermischt sich mit aufspritzenden Blutfontänen. Ein ohrenbetäubendes Schreien und Stöhnen. Die Gesichter zu Masken verzerrt: die einen in blanker Mordlust, die anderen in entsetzter Schmerzensnähe plötzlichen Todes, dies alles mit trommelnd-treibender Kampfmusik unterlegt. Der Schriftzug: »The Warlords« fliegt bei gleichbleibend archaischer Sounduntermalung auf den Zuschauer zu. Der Beginn des Films will keinen Zweifel daran lassen, daß sich der Zuschauer in einem epischen Schlachtengemälde befindet. Dabei ist The Warlords weit davon entfernt, ein Wuxia-Film zu sein. Er zeigt die Kämpfe als blutige Grausamkeiten und nicht als ästhetisch visualisierte Zen-Predigten. Mit dem historischen Hintergrund der Taiping-Rebellion der 1850er und 1860er Jahre in China steht diese 40-Millionen-Dollar-Produktion in der Tradition von realitätsnahen ausstattungstechnischen Großtaten wie Der Opiumkrieg.

The Warlords ist allerdings nur bis zu einer spektakulär inszenierten, großen Schlachtszene in der Mitte des Films das, was er vorgibt zu sein. In der letzten Hälfte wird das historische Action-Epos zusehends zu einem reinen Figurendrama, endgültig allerdings ohne die Komplexität, die ein wirklich gelungenes Drama fordern würde; Chen Kaige light, wenn man so will. Der Film setzt sich durch seine zweite Hälfte, die die Versprechen der ersten nicht einlösen will, recht ungelenk zwischen zwei Stühle, auf denen er problemlos gleichzeitig hätte sitzen können. Daß der Blutsbrüderschaft der drei Titelfiguren kein glückliches Ende beschienen sein kann, wird bereits sehr schnell deutlich. Der Weg hierzu aber, insbesondere durch die Zeichnung der starbesetzten Charaktere, ist ungewöhnlich: Mit äußerst bitterer Konsequenz wird jede einzelne der Figuren durch die Realität des Kriegs ihre Ideale und ihre Menschlichkeit verraten. Keine der Hauptfiguren wird als Held aus dieser Geschichte hervorgehen. Genau dies unterscheidet The Warlords überaus wohltuend von anderen historischen chinesischen Großproduktionen der jüngeren Vergangenheit, die sich in pathetischer Heldenverklärung ergehen und hierdurch die aktuelle politische Führungslage Chinas zu einer Notwendigkeit propagieren.

Die Glaubwürdigkeit der Figurenentwicklung in The Warlords wird durch gute schauspielerische Leistungen unterstützt. Von Andy Lau und Takeshi Kaneshiro hatte man nichts anderes erwartet; absolut erstaunlich aber ist, daß Jet Li, der Martial-Arts-Kampfzwerg mit dem versteinerten Gesicht, seine beiden Co-Stars darstellerisch noch übertrumpfen kann. Genausowenig wie Jackie Chan würde man ihm überhaupt die Darstellung, viel weniger noch die überaus gelungene Darstellung, eines schwierigen, vielgesichtigen Charakters zutrauen. Aber genau dieses kleine Wunder darf in The Warlords besichtigt werden. 2009-01-06 12:05

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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