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Bonjour Sagan

Sagan. F 2008. R,B: Diane Kurys. B: Claire Lemaréchal, Martine Moriconi. K: Michel Abramowicz. S: Sylvie Gadmer. M: Armand Amar. P: Alexandre Films, France 2. D: Sylvie Testud, Pierre Palmade, Lionel Abelanski, Jeanne Balibar, Arielle Dombasle u.a.
120 Min. Schwarz-Weiss ab 1.1.09

Tristesse, toujours

Von Carsten Happe Es geht hektisch zu im Leben der Françoise Sagan, sprunghaft und unstet, der frühe Erfolg des Romans »Bonjour Tristesse«, den sie mit 17 schrieb, mag dazu beigetragen haben, ebenso ihr Lebenshunger, die Gier, aus den piefigen Konventionen der 50er Jahre auszubrechen, sich nicht um die Regeln zu scheren, die die Generation der Väter aufgestellt haben, die es einzureißen gilt, mit allen Mitteln. Schreiben ist Françoise' Methode der Auflehnung, ihr Debütroman ein handfester Skandal, auf den Frankreich allerdings auch sehnlichst wartete, so scheint es, und die Initialzündung für ein ausschweifendes Leben, für Liebschaften und Drogengeschichten, Schuldenberge und exzessive Partys – ein Leben im Boulevard, wie geschaffen für ein Biopic.

So ausschweifend ihr Leben, so konservativ und konventionell nun die filmische Aufarbeitung, vier Jahre nach dem Tod der Sagan. Eingerahmt von der dem Genre offenbar geschuldeten Bilanzsequenz – wahlweise vorm Theaterspiegel, dem Schreibtisch, der den Memoiren standhalten muß, oder dem Krankenbett – werden pflichtschuldigst die charakterbildenden Episoden der Lebensgeschichte abgehakt und wenn nötig glattgebügelt, um das mit der ersten Einstellung vorgefertigte Gesamtbild nicht allzu ambivalent zu zeichnen. Dementsprechend unvermittelt werden Filmabschnittsgefährten in den Ring geworfen und nach Gebrauch wieder unsanft ausgespuckt, Requisiten und Kostüme dekadengemäß integriert, abgeliebt und weggeschlossen. Allein, eine emotionale Bindung zu dieser widersprüchlichen Frau – Feministin, Societyhäschen und Schreibgenie – stellt sich nie ein, zu sehr wandelt man hier durch das Museum eines Lebens.

Dabei gibt sich Sylvie Testud wahrlich alle Mühe, nicht unter den unterschiedlichen Schichten ihrer Alters-Makeups zu verschwinden, den Film jedoch trägt ihr engagiertes Spiel nicht, legen ihr doch die uninspirierte Regie und das allzu Kolportagenhafte des Drehbuchs immer wieder Steine in den Weg.

Es ist keineswegs dem Film anzulasten, aber letztlich doch symptomatisch, wenn schließlich der deutsche Verleih in seinem Trailer unter den Zitaten bei der Namensnennung der Françoise Sagan das »e« verwehrt. Diese fehlende Sorgfalt beim Marketing korrespondiert letztlich mit der leidenschaftslosen Bebilderung eines stürmischen Lebens. 2008-12-30 15:58
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