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Australia

AUS/USA 2008. R,B: Baz Luhrmann. B: Stuart Beattie, Ronald Harwood, Richard Flanagan. K: Mandy Walker. S: Dody Dorn, Michael McCusker. M: David Hirschfelder. P: Bazmark Films, Twentieth Century Fox. D: Nicole Kidman, Hugh Jackman, David Wenham, Bryan Brown, Jack Thompson u.a.
166 Min. Fox ab 25.12.08

Es kommt ein Schiff geladen

Von Christian Lailach Oh, Pater Ralph! hier. Humpel, humpel, Orry Main, da. Und zwischendrin winkt uns' Kaiserin vom Berge. Alles Epen erster Güte, zumindest wenn du Mutti fragst. Alles zu Weihnachten, haben die Fernsehsender so festgelegt. Da denkt sich ein Baz Luhrmann, Heimatland, oh Heimatland, dir ist viel widerfahren, ich bin weg, was kann ich da tun? Ich mach' mal 'ne Trilogie aus lauter Epen, lade die ein wenig mit Historie auf und der deutsche Verleih, nicht dumm, bringt diesen Schmalz schön zielgruppengerecht zu Weihnachten. Free-TV-Premiere wird dann wohl Heiligabend 2009 auf ZDF sein, auf Sat1 winkt ja noch immer Sissi.

Jedoch darf der werte Kritiker den Film nicht ausschließlich ob seines Genres bewerten, das ist klar. Australia ist tatsächlich Luhrmanns Auftakt zu einer Trilogie historischer Epen. In der Anlage ganz klassisch, lang, knapp drei Stunden, ein ordentlicher Bruch in der Mitte. Damit läßt sich das Filmchen problemlos zweiteilen. Im Teil 1 kommt Kidman in Form und Gestalt der Lady Sarah Ashley from Good Old England nach Australia, um ihren Mann bei seiner Viehwirtschaft mal näher auf die Finger zu schauen. Der ist jedoch gerade vom bösen Nachbarsfarmer um die Ecke gebracht worden. So setzt sich die Lady mit dem ungehobelten Frauenschwarm Drover alias Jackman und noch ein paar sonst nur herumstehenden, unterprivilegierten Menschen zur Aufgabe, die Viehherde trotzdem in den weit, weit, weit, weit, weit entfernten Hafen zu scheuchen. Natürlich kommt auch mal des Nachts der böse Nachbarsfarmer (s.o.) um die Ecke, um das ein oder andere Feuerchen zu legen. Nun sei hier die Mitte nicht verraten, denn die Mitte ist ja auch irgendwie Ende und draußen wartet das Popcorn von gestern. Frisch aufgewärmt. Teil 2 beginnt mit einer Presseschau, damit auch alle noch mal wissen, was in den Jahren, die sie eben in der Schlange vor dem Kinoklo verbracht haben, so in Aborigines' Land passiert ist. Der Nachbarsfarmer, der ja eigentlich nur so eine Art Vorarbeiter des Big Boss' war, ist jetzt aufgestiegen, weil er, nachdem er das Ende von Teil 1 verkraftet hat, sich auf intrigante Art und Weise alle Farmen des Eilands unter den Nagel gerissen hat. Bis auf einen kleinen Fleck im Norden, der sich ohne Zaubertrank, dafür mit viel Liebe und Gerechtigkeit der Eroberung widersetzt. Doch dann kommen die Japaner und bombardieren auf dem Rückweg von Pearl Harbor mal eindrucksvoll das Filmset.

Doch bieten auch derartige Produktionen allen Gewerken ein wenig Freiraum. So driftet es ins Komödiantische, wenn Kidman, eben in Australia gestrandet, zusehen muß, wie sich die Rohlinge vor der Hafenkneipe raufen und dabei ihre Koffer nicht unversehrt bleiben. Das geht dann etwa so: Linke Faust, rechte Faust, Koffer auf, Bustier fliegt durch die Luft, Kidman regungslos, ohne Mimik, sagt: »Uh, uuh, uh, ah, uh, aah, ah, uh, uuuuh, aaah, uuh, ah, uuh, uh, aah, ah, ah, uh, aah!« Ebenso gibt es eine kleine, überzeugende Sequenz, in der die Annäherung Kid- und Jackmans à la Anne Coates' Flirt-Sex-Parallelmontage aus Out of Sight adaptiert wird. So bedient man sich handwerklich in aller Güte in der großen Geschichtskiste. Doch die Art, mit der Luhrmann einen halbnackten, abgemagerten Eingeborenen mit Bart und Speer auf den Felsen stellt – vom japanischen Angriff auf Darwin (s.o.) ganz zu schweigen – und unter all das dann »Historie« meißelt, die läßt dich leider ein wenig sprachlos werden. Du fühlst dich nicht imstande, solch Unverfrorenheit auch noch zu kommentieren und schließt lieber mit einem Lob. Die Ausstattung, die ist auch super! 2008-12-23 14:21

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