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Der Tag, an dem die Erde stillstand

The Day the Earth Stood Still. USA 2008. R: Scott Derrickson. B: David Scarpa. K: David Tattersall. S: Wayne Wahrman. M: Tyler Bates. P: Twentieth Century Fox. D: Keanu Reeves, Jennifer Connelly, Kathy Bates, Jaden Smith, John Cleese u.a.
103 Min. Fox ab 11.12.08

Der Schrecken schleicht durch die Nacht

Von Werner Busch Robert Wise, der Auftragskiller von Der Glanz des Hauses Amberson sowie Regie- und Schnittlegende, war mit seinem Originalfilm aus dem Jahre 1951 sehr nahe am Puls der Zeit. Gerade einmal vier Jahre nach der aufsehenerregenden Sichtung einer Flotte unidentifizierbarer Flugobjekte am Mount Rainier, war die Darstellung der »Fliegenden Untertasse« in Wises Film eine der ersten filmischen Darstellungen eines solchen Objektes überhaupt. Der amerikanische Science-Fiction-Film der 50er Jahre sollte, mitsamt großen Teilen der Gesellschaft insgesamt, beherrscht sein von diesen Symbolen einer technophilen Wundergläubigkeit, die gleichzeitig aber auch Symbole xenophoben Denkens sind. Was natürlich allein die Jungsche Interpretation des vielschichtigen und nach wie vor ungelösten UFO-Phänomens darstellt.

»Hört auf zu töten, oder wir bringen euch um« ist die sehr amerikanisch klingende Botschaft der Außerirdischen, die mit ihrem Raumschiff in einem Washingtoner Park landen und der Menschheit ein Ultimatum stellen. Wie daraus in der Rezeptionsgeschichte, bzw. der mythischen Verklärung des Films, die vielzitierte »humanistische Botschaft« wurde, bleibt rätselhaft. Dennoch: Der Film zeigte die Außerirdischen nicht als stupide Invasoren oder blutrünstige Monstren. Der Aufruf zu einer Beendigung von Kampfhandlungen untereinander und vom Einsatz von Atomwaffen im Speziellen, muß zu Zeiten des begonnenen atomaren Wettrüstens und des Koreakriegs von nicht zu unterschätzender Bedeutung gewesen sein.

Auch das Remake will nahe am Puls der Zeit sein, denn die Botschaft wurde zu einem: »Wir bringen euch um« modernisiert. Erst auf Nachfrage erfahren wir, daß aber nicht mehr Krieg generell oder Nuklearwaffen der Grund für die kühl kalkulierte, bevorstehende Aktion der Außerirdischen sind, sondern die Umweltzerstörung des Lebensraumes Erde durch die Menschheit. Die Landung des Raumschiffes in den Nicht-Kyoto-Protokoll-ratifizierenden USA scheint nun kein Zufall mehr zu sein.

Das Drehbuch des Films hält sich ungewöhnlich weitreichend an die naive Vorlage aus den frühen 50ern, vollbringt aber die nicht zu unterschätzende Leistung, das Original an Plattheit und Unglaubwürdigkeit noch zu übertreffen. Weil der Außerirdische Klaatu schöne Augen hat - zumindest läßt sich kein anderes Motiv ausmachen -, hilft ihm die Astrobiologin Helen Benson, die von Jennifer Connelly gespielt wird, weil die immer noch gut aussieht - zumindest läßt sich kein anderes Motiv ausmachen -, aus einer Militärbasis zu flüchten. Und weil ihr Sohn um seinen toten Vater trauert und die Astrobiologin super nett ist, kommt Klaatu langsam zu dem Schluß, daß es vielleicht doch nicht so toll wäre ein paar Milliarden Menschen zu töten.

Das Staunen über die Infantilität des Drehbuches, die sich insbesondere in einigen der miesesten Dialogszenen zwischen Menschen und Außerirdischen der Filmgeschichte niederschlägt, versorgt den Körper des Zuschauers zuverlässig mit Adrenalin. Auch dank gebotener Schaueffekte verspürt man über die Laufzeit des Films keine gesteigerte Langeweile. Auf der Haben-Seite kann der Film aber noch sehr viel mehr verbuchen: Endlich einmal ist es Microsoft und nicht Apple, das die Productplacement-Möglichkeiten einer Hollywood-Großproduktion nutzt. Das war's. 2008-12-11 18:28

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