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La Zona

MEX 2007. R,B: Rodrigo Plá. B: Laura Santullo. K: Emiliano Villanueva. S: Ana García, Nacho Ruiz Capillas, Bernat Vilaplana. M: Fernando Velázquez. P: Buenaventura Prod., Estrategia Audiovisual. D: Daniel Giménez Cacho, Maribel Verdú, Alan Chávez, Daniel Tovar, Carlos Bardem u.a.
97 Min. Cine Global ab 11.12.08

Randzone Grimmshausen

Von Christian Lailach Was mag passieren, wenn in den grünen Rändern der Städte, da wo vor ein paar Jahrzehnten die Stadterweiterung ihr Ende fand, wenn sich dort nun neue Viertel bilden, Enklaven der Ruhe und Glückseeligkeit? Die sozial Schwächeren, die in die Randzonen abgeschoben wurden, finden sich auf einmal wieder vor von Mauern umgebenen Inseln, auf denen die Sonne lacht und die Vöglein zwitschern. Draußen das raue Leben der Straße, Schlamm, Ghetto. Drinnen wohlgekehrte Gehwege, leere Sträßchen, Heiti-teiti. Dazwischen reguliert der Kumpel vom Sicherheitsdienst. – Ein wenig überzeichnet, das Bild, auch wenn es schon heute nicht unrealistisch ist in einigen Landstrichen Amerikas und den Köpfen verschiedenster Stadtentwickler unserer Breiten. Der Gedanke daran, daß der Mob aufbegehrt und irgendwann die Mauern überrennt hält hier meist noch von der radikalen Umsetzung der Fantasien ab.

In La Zona tauchen erst einmal ein paar Jugendliche in eine der verbotenen Städte ein. Es regnet in Mexico City, Miguel und seine Kumpels lungern im einem ausgedienten Bus auf einem Werkstattgelände hinter der Mauer zur »La Zona« herum. Ein Strommast knickt, die Mauer ist futsch und die Sicherheitsanlage versagt ihren Dienst. Die Jungs nutzen die Gelegenheit und dringen ein in die Welt, deren Gesetze sie noch nicht kennen. Viel hätten Plá und Santullo hier Schreckliches erzählen können, doch beschränken sie sich auf eine leichte, wenngleich schwerwiegende Geschichte. Stereotype entstehen dann doch, und dies schwächt den zu Beginn noch unerwartet schnellen Lauf der Dinge. Der Eindringling, der bald zum Gefangenen wird, der Gerechte, der sich der Realität beugen muß, die Ritter, die letztlich die Waffen gegen sich selbst richten. Ein bißchen allzuleicht Verdauliches richtet sich hier ein.

Auch wenn die Anlehnung der mexikanischen Produktion an das amerikanische Hollywood nicht zu verharmlosen ist, schwingt dennoch ein frischer Mut zur Wendigkeit mit. Die Korruption, die nicht korrupt ist, um korrupt sein zu können, oder die Schockstarre, die erst dann eintritt, wenn der eigentliche Schock sich zu normalisieren beginnt, machen Plá zwar noch lange nicht zum Visionär, doch geht er damit einen Schritt, der die Furcht vor dem Fremden in einen generellen Zweifel verkehrt. Daß er diesen Prozeß so konventionell zeichnet, verleiht La Zona einen märchenhaften Charakter und bringt uns zu dem Schluß, daß an Burgen und Schlössern hinter Mauern und Gräben schon immer was faul war. 2008-12-11 16:46

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