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The Women – Von großen und kleinen Affären

The Women. USA 2008. R,B: Diane English. K: Anastas Michos. S: Tia Nolan. M: Mark Isham. P: Jagged Films, Shukovsky English Entertainment. D: Meg Ryan, Annette Bening, Eva Mendes, Debra Messing, Jada Pinkett Smith, Bette Midler, Candice Bergen, Carrie Fisher, Cloris Leachman, Debi Mazar u.a
112 Min. Constantin ab 11.12.08

Filmischer Designerhohlraum

Von Carsten Happe Als ich zum ersten Mal davon hörte, daß George Cukors Zickenkrieg-Klassiker Die Frauen neuverfilmt werden sollte, war Meg Ryan Hollywoods größter weiblicher Star neben Julia Roberts – die natürlich ebenfalls für eine Hauptrolle eingeplant wurde – und Spielbergs Dinosaurier lernten gerade laufen. 15 Jahre später ist Meg Ryans Karriere bedrohlich abgeknickt, Julia Roberts schon lange nicht mehr hierfür im Gespräch. Jedoch nach sechs Staffeln Sex and the City und dem Erfolg des nachgeschobenen Kinofilms, erscheint den Studioanalysten das Wagnis eines ebenfalls rein weiblich besetzten Remakes nach dieser Ewigkeit in der »Development Hell« erstmals kalkulierbar.

Und genau so schaut dieser Film nun auch aus. Ein am Reißbrett entworfenes Konsumprodukt ohne Risiken und Nebenwirkungen, ein glattgebügelter Designerhohlraum, der das »Female Backstabbing« des Originals durch zielgruppenaffines »Female Bonding« ersetzt, ein Film für Prosecco-schlürfende Soccer Moms, die in ihrem enggesteckten Vorweihnachtszeitplan noch zwei Stunden Kinobesuch freischaufeln konnten.

Die Story ist in ihrer Nichtigkeit kaum der Beachtung wert – das war sie auch im Original nicht, aber was Cukor daraus gemacht hat! – dieses völlig Egale transportiert der uninspirierte deutsche Zusatztitel aufs Vortrefflichste. Regisseurin und Autorin Diane English ist ihre TV-Herkunft als Schöpferin der Erfolgsserie Murphy Brown in der Bildsprache des gesamten Films anzumerken – ihr Gespür, jeden Dialog und jede Aktion auf die möglichst konventionellste Weise aufzulösen, ist mustergültig. Sitcom-Darstellerinnen wie Debra Messing ziehen sich in diesem Umfeld naturgemäß am besten aus der Affäre, Annette Bening oder Jada Pinkett Smith sahen selten so verloren aus. Und trotz alledem: Meg Ryan in ihrem Element und (fast) ihrem Genre wiederzusehen nach so vielen orientierungslosen Jahren, macht einem schmerzlich bewußt, daß all die Reese Witherspoons und Kate Hudsons – seien sie auch weit wandlungsfähigere Darstellerinnen – ihrer kumpelhaften, neurotischen, herzerfrischenden, kratzbürstigen Niedlichkeit einfach nicht das Wasser reichen können. Selbst Botox und das uninspirierteste Remake der Saison vermögen das nicht zu ändern. 2008-12-08 11:59

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