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Transsiberian

GB/D/E 2007. R,B: Brad Anderson. B: Will Conroy. K: Xavi Gimenez. S: Jaume Martí. M: Alfonso Vilallonga. P: Filmax Group, Lietuvos Kinostudija, Scout Productions. D: Woody Harrelson, Emily Mortimer, Kate Mara, Eduardo Noriega, Thomas Kretschmann, Ben Kingsley u.a.
111 Min. Universum ab 11.12.08

Wer sich liebt, nimmt den Zug

Von Carsten Happe Hitchcock und Highsmith wußten es schon längst: Fremden im Zug ist nicht zu trauen. Erst recht nicht in solch unwirtlicher Ödnis, die von der Transsibirischen Eisenbahn auf ihrer tagelangen Fahrt in Richtung Moskau durchschnitten wird. Dabei glauben Roy und Jessie, das All-American-Couple auf ihrer Rückreise aus Peking, an das zutiefst Gute im Menschen – waren sie doch als Missionare in China unterwegs, so anachronistisch das auch klingen mag.

Zunächst liegt noch ein wenig Neugier und Abenteuerlust in der Luft, als das unkonventionelle Pärchen Carlos und Abby in ihrem Abteil zusteigt. Ungehemmt tauschen die jungen Backpacker vor den ungläubigen Augen von Roy und Jessie intime Zärtlichkeiten aus, jedoch die Fahrt ist lang, das Abteil ist eng – irgendwie versuchen sich die Bibeltreuen mit dem wilden Treiben zu arrangieren. Als Roy allerdings beim Zwischenhalt in Irkutsk den Zug verpaßt und Jessie die Zudringlichkeiten von Carlos nur noch mit Gewalt beantworten kann, nimmt der Thriller, der anfänglich mit deutlich angezogener Handbremse über die Schienen zuckelte, schließlich Fahrt auf.

Einen Beitrag zur Völkerverständigung hatte Regisseur Brad Anderson mit Transsiberian kaum im Sinn – das russische Hinterland ist eindeutig Feindesgebiet, das Mißtrauen gegenüber den Einheimischen, vom Zugbegleiter bis zur Polizei, scheint wohlbegründet. Wer allerdings über diese xenophoben Subtexte hinwegsehen kann, bekommt einen wendungsreichen, beinahe klassischen Reißer geboten, der auch nicht davor zurückschreckt, sich mal so richtig die Hände schmutzig zu machen. Selbst endlose Schneefelder können dies nicht reinwaschen. 2008-12-08 11:55

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

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