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Quarantäne

Quaranatine. USA 2008. R: John Erick Dowdle. B: John Erick Dowdle, Drew Dowdle. K: Ken Seng. S: Elliot Greenberg. P: Screen Gems, Vertigo Entertainment. D: Jennifer Carpenter, Steve Harris, Jay Hernandez, Johnathon Schaech, Columbus Short u.a.
89 Min. Sony Pictures ab 4.12.08

Copykill

Von Werner Busch Der brasilianische Kinogänger dieser Tage dürfte irritiert sein. Erst vor wenigen Tagen startete dort der spanische Film [Rec]: Ein kleiner, schmutziger Low-Budget Horrorfilm, in dem ein Fernsehteam unfreiwillig in die militärische Belagerung eines Mietshauses gerät, in dem ein aggressives Virus um sich greift, das Menschen per Tröpfcheninfektion in rasende, zombiesk-blutsabbernde Bestien verwandelt. Schon am 5. Dezember wird in Brasilien der amerikanische Film Quarantäne anlaufen, ein Beinahe-Low-Budget-Horrorfilm, in dem ein Fernsehteam unfreiwillig in die militärische Belagerung eines Mietshauses gerät, in dem ein aggressives Virus um sich greift, das Menschen per Tröpfcheninfektion in rasende, zombiesk-blutsabbernde Bestien verwandelt.

Aber viel mehr noch: Nicht nur die Szenenfolge samt einzelner Dialoge – Wort für Wort – sondern auch das visuelle Setting mitsamt Bauten und deren Beleuchtung, ist von der ersten bis zur letzen Sekunde eine geradezu beängstigend genaue Kopie des spanischen Originalfilms. Quarantäne ist mehr als ein Remake, es ist eine nach Perfektion strebende Kopie. Hier wurde nicht das Drehbuch neu verfilmt, sondern der Film selbst, Bild für Bild, genauestens mit englischsprachigen Darstellern nachgestellt. Es werden keine neuen Elemente in die Erzählung eingebunden und auch keine neuen Schwerpunkte gesetzt. Die Neuverfilmung folgt dermaßen getreulich dem Original, daß man sich wundern darf, warum nicht auch für die Darsteller in den Nebenrollen Lookalikes gesucht wurden, wie dies bei der Hauptdarstellerin der Fall ist.

Tatsächlich ist der einzige nennenswerte Unterschied, den man ausmachen kann, daß die Effekte in drei oder vier Szenen budgetbedingt dezent delikater ausgefallen sind. Wobei aber diese sekündlichen Effekte gegenüber der andauernden, zutiefst beklemmenden und düsteren Atmosphäre nahezu unwesentlich sind. Quarantäne ist ein Produkt, das ausschließlich für den US-Markt erstellt wurde. Hier werden fremdsprachige Filme nicht synchronisiert, und die Kinogänger in ihrer Mehrzahl wollen schlichtweg keine Untertitel lesen. Dies sind die ausschließlichen Gründe für die Existenz des Films Quarantäne.

Auch wenn die Monstren in [Rec] keine wiederbelebten Untoten sind, sondern infizierte Menschen, folgt der Film natürlich den Regeln des Zombiegenres. In bester Romero-Tradition werden in der Extremsituation die Menschen selbst zu den größeren Feinden der Protagonisten als die Kreaturen selbst. Durch die gekonnte Ausnutzung der Möglichkeiten, die der Mockumentary-Style des Films bietet und ein nicht uninteressantes, in jedem Fall aber sehr beängstigendes Finale ist [Rec] eine frisch und vital wirkende Bereicherung des Genres. Der europäische Horrorfreund hat diesen Film ohnehin bereits gesehen oder wird ansonsten tunlichst zur kürzlich erschienenen DVD greifen. Bei den übrigen Kinogängern darf man immerhin noch auf eine winterliche Tröpfcheninfektion hoffen, die sie davon abhält, sich hierein zu verirren. Aufgrund des nahezu perfekten Abkopierens könnte ihnen nämlich dieser Film sogar gefallen. Was aber nichts daran ändern würde, daß Quarantäne eine Totgeburt ist, die zur ewigen filmhistorischen Höllenfahrt verdammt wurde. Wir wissen nicht, was die Brasilianer machen werden, allein dürfen wir uns sicher sein, daß eine rauchschmutzige Wand in einem Madrider Mietshaus immer noch besser ist als eine mit Patina bestrichene Sperrholzplatte in einem Studio in L.A. Gerade weil beides auf 35mm absolut identisch aussieht. 2008-12-02 17:02

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