— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück

Faubourg 36. F/D/CZ 2008. R,B: Christophe Barratier. B: Pierre Philippe, Julien Rappeneau. K: Tom Stern. S: Yves Deschamps. M: Reinhardt Wagner. P: Galatée Films, Pathé Production, Constantin Film, France 2 Cinéma u.a. D: Gérard Jugnot, Clovis Cornillac, Kad Merad, Nora Amezeder, Pierre Richard, Bernard-Pierre Donnadieu u.a.
120 Min. Constantin ab 27.11.08

Hauptsache Pierre Richard

Von Thomas Warnecke Früher war’s lustiger: Da spielte Pierre Richard noch die Hauptrolle, und Gérard Jugnot war mit der ihm zu Gebote stehenden Unauffälligkeit ein guter Nebendarsteller, der in Le Coup de parapluie (Der Regenschirmmörder, 1980) Richards Kuckuckskind auf dem Rücken trug. Jetzt hat Christophe Barratier den Hahnrei zur Hauptperson gemacht, und so blickt uns Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück die meiste Zeit mit einem traurigen bis sauertöpfischen Gesicht an. Plotpoints sind jetzt die Nackenschläge, die der Autor seiner Figur verpaßt, der Rest ist Rührung. Die Liebesgeschichte ist wenig überzeugend, weil Clovis Cornillac farblos bleibt und Barratier ja scheint’s immer wieder nur auf Seufzer der Rührung aus ist und dabei die Dramaturgie aus dem Blick verliert. Selbst der Bösewicht des Bernard-Pierre Donnadieu ist vor allem eine sentimentale Figur. Abgesehen davon, daß die Handlung doch sehr von Moulin Rouge abgekupfert ist, ist die Geschichte aufgebaut wie ein Witz, in dem zweimal das gleiche passiert und erst beim dritten Mal die Pointe kommt, hier: das dahinsiechende »Chansonia« zur erfolgreichen Revuebühne aufsteigt. Darin steckt der grundsympathische Kern des Films von den mehr oder weniger Begabten, die einen Laden in Schwung bringen wollen. Drumherum viel »Wir in unserem Viertel«-Romantik in einem René-Clair-Paris, daß in den Prager Barrandov-Studios gebaut und von Tom Stern sehr hübsch abgefilmt wurde, und ein bißchen Historien-Polit-Folklore. Immerhin sind die Darsteller mehr als nur Kleiderständer, allen voran Nora Amezeder ist eine echte Entdeckung, während Kad Merats Komik ja schon von zwanzig Millionen Franzosen bemerkt wurde.

Die besten Szenen des Films aber sind jene, in denen Pierre Richard als bis dahin zurückgezogen lebender Komponist die Initiative ergreift. Am Funkeln in seinen Augen und seinen immer noch behenden Bewegungen hätte Christophe Barratier eigentlich sehen müssen, wofür das Kino einst erfunden wurde. Der gealterte Komödiant bringt für ein paar Minuten Tempo und Witz in den Film, sein Auftritt ist würdevoll, sein verhaltenes Pathos ist echt rührend – nämlich ohne Kloß im Hals – und seine hohe Stirn bietet mehr Projektionsfläche als sämtliche Kulissen. Es wird Zeit, daß Pierre Richard wieder die Hauptrolle übernimmt. 2008-11-25 11:23

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap