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Geliebte Clara

D/F/HUN 2008. R,B: Helma Sanders-Brahms. K: Jürgen Jürges. S: Isabelle Devinck. P: Helma Sanders-Brahms Filmprod., MACT Prod., Objectiv Filmstudio. D: Martina Gedeck, Pascal Greggory, Malik Zidi, Nikolai Kinski, Clara Eichinger, Aline Annessy, Marine Annessy, Sascha Caparros u.a.
109 Min. Kinowelt ab 4.12.08

Die wohltemperierte Frau

Von Lena Serov »Für Johannes Brahms und Robert Schumann war sie der Mittelpunkt der Welt. Sie war die Königin ausverkaufter Konzertsäle.« So das pathoserfüllte Motto, das dem Film im Presseheft und Filmtrailer voranstellt ist. Clara Schumann also zwischen Männern und Karriere, den Kindern und der Kunst. Letzterer wird aber seitens Claras schon bald der Rücken gekehrt, denn der Film beginnt mit der Rückreise der Schumanns von Claras Konzerttournee und dem Seßhaftwerden in Düsseldorf. Von nun an ist sie die Frau an der Seite Robert Schumanns bzw. später auch die Frau zwischen ihm und Brahms.

Wurde Clara Schumann gerade von der feministischen (Musik)Forschung als Galionsfigur für eine selbstbestimmte, engagierte und vor allem öffentlich sehr präsente und erfolgreiche Künstlerin vereinnahmt, engt Helma Sanders-Brahms den Fokus auf eine private Clara Schumann ein. Wenn sie im Film »musizieren« darf, dann häufig als Platzhalterin für ihren Ehemann. Clara Schumann – und hier ist durchaus ein Verweis auf die Mehrfachbelastung der modernen Frau angelegt – ist vielmehr Mutter, fürsorgende Ehefrau und gleichzeitig eine sehr talentierte Pianistin, die in den Schatten ihres Mannes gedrängt wird. Clara aber scheint bei Sanders-Brahms in ihren Aufgaben mit naiver und devoter Hingebung und Selbstaufgabe zu ergehen. Anstatt sie als zwischen den unterschiedlichen Zuständigkeiten hin- und hergerissene und eigenwillige Frau (als die sie in der Forschung durchaus betrachtet wird) darzustellen und ihr damit eine moderne Kontur zu geben, wird ihre Rolle zu ebenmäßig gezeichnet.

Die von Pascal Greggory dargestellte Figur des Robert Schumann ist hier durchaus komplexer angelegt: Nicht nur wird er als absolut sensibler und ingeniöser Komponist inszeniert, der im Wahn an der Welt scheidet – ein Bild, das vor allem die populäre Rezeption für sich beansprucht – sondern er erhält auch exzentrische und despotische Züge, indem er Clara ihre ganze Aufmerksamkeit abverlangt. Die Anekdote, daß der Jüngling Brahms, dessen Liebesbeziehung zu Clara nicht vollständig geklärt ist, auf Händen durch die Gegend tapst und Treppengeländer runterrutscht, mag wohl biographische Lesarten beflügeln.

Die filmische Gestaltung von Geliebte Clara verharrt leider in den Darstellungskonventionen eines Fernsehfilms. Übertrieben banale und hölzerne Dialoge gesprochen von Figuren, deren Namen eigentlich austauschbar wären. Und wenn sich der Film zu großen Leinwandgemälden emporhebt, dann nur, um diese wieder in der Stubenbanalität zu ersticken. Keine Frage, daß die Musik in diesem Film eine weitere Hauptrolle einnimmt. Konzipiert als Dialog zwischen den Protagonisten, wird dieser in filmischen Konzert-Auftritten Claras (Martina Gedeck hat dafür Klavierspielen gelernt!) durch Blicke und Gesten verdichtet. Nur daß aber auch jede Figur, die auch nur einen Hauch von Musik vernimmt, sofort jauchzt und feuchte Augen bekommt, raubt dem Film die letzte Glaubwürdigkeit. 2008-12-03 11:59

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