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Der Weg nach Mekka – Die Reise des Muhammad Assad

A 2008. R,B: Georg Misch. B: Miriam Ali de Unzaga. K: Joerg Burger. S: Marek Kralovsky. M: Jim Howard. P: Mischief.
92 Min. Mindjazz Pictures ab 27.11.08

Ein Bild von Schönheit

Von Thomas Warnecke »Wo geht’s hier zum Islam?« Der jüdische Gelehrte kennt sich nicht besonders aus im Lemberger – heute: Lviv – Museum der Weltreligionen. Am Abend sendet ein lokaler Fernsehsender eine Diskussionsrunde zu Muhammad Asad – weil Österreicher in der Stadt sind und einen Film über den Mann drehen, der hier 1900 als Leopold Weiss zur Welt kam. Er konvertierte vom Judentum zum Islam, weshalb die recht fruchtlose Diskussion zwischen dem jüdischen Gelehrten und seinem islamischen Gegenüber vor allem um die Frage kreist, welcher Religion Asad/Weiss denn nun gehöre. Darüber hinaus hält der Vertreter des Judentums den Islam für einen Hort des Terrorismus. Nur aufgrund seiner altersstarrsinnigen Harmlosigkeit muß man über seine Betonköpfigkeit lachen.

Georg Mischs Film hat noch viele solcher Momente, die vom verbalen Aufeinanderprallen unterschiedlicher Ansichten leben. Und er findet Menschen, vor deren bildhafter, kultivierter, schwärmerischer Sprache man schlicht die mindestens kulturpessimistischen Waffen streckt. Eigentlich bescheuert, das zu erwähnen, aber vielleicht ist damit das Außergewöhnliche dieses Films treffend beschrieben: Misch begibt sich nicht à la Scholl-Latour in irgendein gefährliches Herz der fundamentalistischen Finsternis. Auf dem Flughafen von Riad wird kurzerhand eine Durchsage gemacht: »Wer kann etwas über Muhammad Asad sagen? Bitte hier an der Information melden.« Statt eines Talibans sitzt in Der Weg nach Mekka ein ehemaliger Ölminister Saudi-Arabiens, schwärmt von Asads fortschrittlicher Gesinnung und beklagt die erbärmliche Verhüllungspraxis und andere Formen der Unterdrückung von Frauen.

Weit entfernt, Talking Heads zu filmen, fängt Georg Misch mit den Räumen, in denen die Personen über Asad sprechen, vom Beduinenzelt bis zum luxuriösen Eisenbahnwaggon, immer auch die der Reise innewohnende Lust an der Abschweifung mit ein, bis hin zur tragikomischen Einstellung vom Beduinen im Niemandsland kurz hinter der israelischen Mauer, dem es nicht mehr gelingt, auf sein Kamel aufzusitzen. Vollends auf die Knie sinkt man vor den beiden Jüdinnen in Marokko, die von ihrer Freundschaft zu Asad erzählen. Die scheinbar so vollkommen banale Gesprächssituation – zwei alte Damen beim Tee – wirkt hier gänzlich aus Raum und Zeit gefallen. Spätestens jetzt spürt der Zuschauer, dem der Film mit einem Motto Asads gewidmet ist: »for people who think«, mit den beiden Damen, mit Asad und vielen anderen, was für eine schöne Religion der Islam ist. Dem ist genug Skepsis, genug Kleinlichkeit und Beschränktheit beigemischt, um angesichts der ausnahmslos schönen – oder passender: wertvoll aussehenden – Bilder des Kameramannes Joerg Burger nicht in ein morgenländisches Idyll zu verfallen. Daß aber keine Fundamentalisten oder Haßprediger zu Wort kommen, mag daran liegen, daß es schlicht weniger gibt als erwartet. Georg Misch jedenfalls hat sich für die Schönheit entschieden und für diejenigen, die davon ein Bild abgeben können. 2008-11-26 15:18

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