Home Invasion
Von Nils Bothmann
Ein junges Paar hat Streit, da sie »Nein« zu seinem Heiratsantrag sagte, die Stimmung ist am Boden – doch das Schlimmste steht den beiden noch bevor. Aus dieser unangenehmen Alltagssituation heraus beginnt
The Strangers seinen Psychoterror, der davon erzählt, wie drei maskierte Fremde das Paar überfallen und terrorisieren. Dementsprechend rückt
The Strangers immer wieder Alltagsgegenstände ins Blickfeld – der Bildinhalt der Aufnahmen ändert sich kaum, doch je weiter die Handlung fortläuft, desto bedrohlicher wirken sie und spiegeln die Verletzung des häuslichen Raumes wider. So scheint
The Strangers der »My home is my castle«-Ideologie seiner Protagonisten zu spotten, die nicht mehr funktioniert, sobald die Angreifer die Barrieren von Fenstern und Tür überwinden.
Gleichzeitig zerstören die Invasoren alle Transport- und Kommunikationsmedien, um die Isolation ihrer Opfer zu perfekt zu machen – weniger schnell und weniger koordiniert als es z.B. die Terroristen eines
Stirb langsam tun, jedoch nicht minder effektiv. Gerade dadurch wirkt die Paniksituation der Protagonisten noch greifbarer, wobei
The Strangers den Eindruck von Figurennähe durch eine Handkamera verstärkt, die stets nah bei den beiden Opfern bleibt und deren Angst erfahrbar macht. Auch das Schauspiel von Liv Tyler und Scott Speedman hilft bei der Darstellung jener unterschwelligen Angst vor der Verletzung des Eigenheims und der Privatsphäre.
Sicherlich erzählt
The Strangers dabei nichts wirklich Neues, steht er doch in der Tradition von Filmen wie
Last House on the Left, die bereits Jahrzehnte zuvor von Familien, die von Unbekannten gequält werden, erzählten. Eine Neuerfindung des Genres stellt
The Strangers auch sicherlich nicht da, die Exposition ist vielleicht ein wenig lang, doch er wirkt und wirft sogar Gedankengänge auf. So erinnert er teilweise an Michael Hanekes artverwandten
Funny Games, jedoch ohne dessen Hang zur etwas aufdringlichen Selbst-Thematisierung. Ähnlich wie
Funny Games verweigert er dem Zuschauer die Katharsis des Bescheidwissens, denn auch die Täter in
The Strangers lassen nie ein Motiv für ihre Handlungen erkennen – bis zum bitteren Schluß, der ähnlich böse wie der von
Funny Games, aber doch anders ist.
Zudem sieht man die Gesichter der Angreifer nie, da sie unter Jutesäcken oder Masken verborgen bleiben – gerade die engelsgesichtigen Masken der weiblichen Invasoren bleiben Projektionsflächen für die verängstigten Opfer. Da wirkt es dann ein wenig bevormundend, wenn
The Strangers die Angreifer die Masken am Ende abnehmen läßt, ihre Gesichter aber trotzdem immer außerhalb des Bildkaders hält, obwohl es sich auch für den Zuschauer um Unbekannte handelt.
Im Vorfeld wurde The Strangers mit dem ähnlich gelagerten französischen
Them von 2006 verglichen, obwohl er kein Remake darstellt. Tatsächlich weisen beide Filme trotz ähnlicher Prämisse große Unterschiede auf, nutzen jedoch dieselbe Authentifizierungsstrategie: Beide erklären, daß sie auf realen Ereignissen beruhen. Was den Schockeffekt in beiden Fällen nur verstärkt und zum Nachdenken anregt.