— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Wiedersehen mit Brideshead

Brideshead Revisited. GB 2008. R: Julian Jarrold. B: Jeremy Brock, Andrew Davies. K: Jess Hall. S: Chris Gill. M: Adrian Johnston. P: Dreamachine, Ecosse Films, HanWay Films. D: Matthew Goode, Ben Whishaw, Hayley Atwell, Emma Thompson, Michael Gambon, Greta Scacchi u.a.
133 Min. Concorde ab 20.11.08

Schloß mit lustig

Von Lena Serov Als der Künstler Charles Ryder zum ersten Mal die aristokratischen Gemäuer von Schloß Brideshead betritt, ist es jugendlicher Leichtsinn und die sexuelle Unbedarftheit, die ihn dorthin führen. Denn Charles fühlt sich zum jungen und dekadenten Sebastian Flyte hingezogen, der ihn nach Brideshead bringt und ihn in eine Welt fernab der asketischen Bürgerlichkeit seiner Herkunft einführt. Daß Brideshead zum Mittelpunkt seines Lebens wird, ahnt er da noch nicht.

Wiedersehen mit Brideshead erzählt eine Dreiecksgeschichte, die sich zwischen Charles und den Geschwistern Flyte entspinnt, in deren Mitte der Verfall der aristokratischen Familie durch die Unvereinbarkeit von traditionellen und modernen Lebens- und Liebesentwürfen steht. Die Bemühungen des charakterschwachen und aalglatten Charles, der mit den Vorzügen des Aristokratentums liebäugelt, zunächst Sebastian und dann Julia Flyte und damit auch das Schloß für sich zu gewinnen, wird stets von der streng katholischen Mutter und Schloßherrin vereitelt. Selbst nach ihrem Tod wirkt ihre symbolische Anwesenheit in Brideshead weiter, der sich alle Betroffenen unglücklich fügen müssen.

Julian Jarrolds Verfilmung des gleichnamigen Buches von Evelyn Waugh kann nur schlaglichtartig die vielschichtige und verflochtene Erzählung des Romans, die sich über mehrere Dekaden zieht, bebildern. So ist es auch wahrscheinlich dieser Tatsache geschuldet, daß hier wirkliche Konflikte auf der Strecke bleiben. Trotz zweieinhalb Stunden Laufzeit bleiben auch die Figuren recht eindimensional und unentwickelt. Schließlich bleibt der Film so steif und verhalten wie seine Protagonisten, daß er so vielem Ungesagten und Unsagbaren mit seinen opulenten Bildern und aufwendigen Kulissen so wenig entgegenhalten kann. 2008-11-17 11:58

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap