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Zufällig verheiratet

The Accidental Husband. GB/USA 2008. R: Griffin Dunne. B: Mimi Hare, Clare Naylor, Bonnie Sikowitz. K: William Rexer. S: Suzy Elmiger. M: Andrea Guerra. P: Blumhouse Productions, Team Todd, Yari Film Group. D: Uma Thurman, Colin Firth, Jeffrey Dean Morgan, Sam Shepard, Lindsay Sloane, Keir Dullea u.a.
90 Min. Walt Disney ab 13.11.08

Zusammengewürfelt

Von Arezou Khoschnam Ein kurzer Blick auf die Besetzung suggeriert dem potentiellen Zuschauer von Zufällig verheiratet, daß sich hier ein Kinobesuch durchaus lohnen könnte. Zum einen spielt die einzigartige Uma Thurman mit, die es durch ihre Präsenz und ihren ganz individuellen Charme bislang noch immer vermocht hat, ihre Rollen und die Leinwand mit Leben zu füllen und das Publikum für sich einzunehmen. Zum anderen wartet der Film mit dem vielfach komödienerprobten und -bewährten Colin Firth auf. Wenn es darum geht, den britischen Gentleman zu verkörpern, der seine Gefühle gegenüber seiner Herzensdame durch minimalistische Mimik sowohl zu kaschieren als auch zu enthüllen weiß, ist »Mr. Darcy« unnachahmlich.

Das klingt nach einer erfolgversprechenden Kombination – so möchte man meinen. Doch die Geschichte wird leider an einem anderen Punkt aufgezogen. Das Traumpaar Thurman-Firth muß sich in diesem Film nicht mehr finden. Sie sind schon zu Beginn zusammen, bis sich Thurman alias Dr. Emma Lloyd, Beziehungsratgeberin mit eigener Radiotalkshow, irgendwann eingestehen muß, daß ihr Herz eigentlich für jemand anderen schlägt: für Feuerwehrmann Patrick Sullivan. Sullivans Verlobte hatte von Dr. Lloyd »on air« den folgenschweren Rat erhalten, sich von diesem zu trennen. Von seiner großen Liebe verlassen, sinnt Patrick nun auf Rache. Er läßt sich als Emmas Ehemann eintragen, damit auch ihre bald bevorstehende Hochzeit ins Wasser fällt. Unglücklicherweise gehen dem Drehbuchteam Hare/ Naylor/ Sikowitz genau an dieser Stelle die Einfälle aus. Emmas Bemühungen, den Zufallsgatten mittels Unterschrift zu einer Annullierung der fingierten Ehe zu bewegen, gestalten sich natürlich zu einem Liebesreigen, an dessen Ende sie Sullivan zufällig gut leiden mag und sich schließlich zwischen ihm und ihrem ursprünglichen Verlobten entscheiden muß.

Das unglaublich uninspirierte Drehbuch, das sich hier und da an filmischen Erfolgsrezepten bedient (mehrstimmige Gesangseinlage à la Hochzeit meines besten Freundes, die farbenfrohe indische Lebenskultur als beliebtes Kontrastprogramm zur amerikanischen Lebensart), ohne diese jedoch innovativ in Szene zu setzen, können weder die Schauspieler, noch Griffin Dunnes Regieführung kompensieren.

In der ihm zugedachten Nebenrolle des steifen Langweilers kann sich Firths sonst so feinsinniges Komödienspiel mangels Spielraum nicht entfalten. Ihm gegenüber steht der unbekanntere Jeffrey Dean Morgan, der die Möglichkeiten seiner Figur wiederum nicht auszubauen weiß. Nach P.S.: Ich liebe dich bewegt er sich zwar nicht zum ersten Mal auf romantischen Pfaden, gibt aber dennoch eine ziemlich unglückliche Figur ab. Er hat die Aufgabe, Thurmans Herz durch Witz und Spontaneität zu erobern. Stattdessen beschränkt er sich darauf, anderthalb Stunden lang seinen Hundeblick spazieren zu tragen. Leider verliert auch Uma Thurman die Kontrolle über ihre Fähigkeiten. Während man sich bei ihren männlichen Kollegen weit mehr Engagement gewünscht hätte, zappelt sie wie ein von Duracelbatterien betriebenes Häschen recht affektiert über die Leinwand. Am fatalsten jedoch ist die Tatsache, daß der Zuschauer vergebens auf gute Gags wartet. Beim Verlassen des Kinos wird daher deutlich, was bereits nach den ersten paar Minuten zu erwarten war: Der Kinobesuch hat sich diesmal leider nicht gelohnt. 2008-11-10 17:17

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