— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die Eylandt-Recherche

D 2008. R,B,S: Michael W. Driesch. K: Tanja Häring. M: Eric Babak. P: 1900 Pictures Media & Entertainment. D: Peter Gilbert Cotton, Steffen Gräbner, Oliver Kniffki, Bianca Künzel, Zarah McKenzie u.a.
82 Min. W-Film ab 6.11.08

Zeitschinden als televisionäres Prinzip

Von Thomas Warnecke Vertrauen wir bei den Credits imdb, daß nicht nur, wie im Presseheft zugegeben, der Regisseur »Don Miguel«, sondern auch Editor »Guillermo Campo« Pseudonyme des Produzenten oder passenderweise auch Machers – weil es sich beim Erzeugnis um eben ein Machwerk handelt – Michael W. Driesch sind. Der hat – ebenfalls laut Presseheft – in seiner Heimatstadt Duisburg ein Studium der Wirtschaftswissenschaften als Diplom-Kaufmann abgeschlossen. Wenn Ökonomie bedeutet, mit minimalem Einsatz maximalen Ertrag zu erwirtschaften, ist Die Eylandt-Recherche komplett gescheitert. Es sei denn, der Film erweist sich als Kassenerfolg und also das Filmpublikum als wahlweise hoffnungslos leicht verarsch- oder bespaßbar.

Der Einsatz ist in der Tat minimal: angebliche Briefe einer Frau aus Rheinhausen (seit den 1970ern Stadtteil Duisburgs) an ihren Großcousin in New York, der Stromausfall »in weiten Teilen Europas« vom 4. November 2006 und eine Ufo-Sichtung während des schwersten Luftangriffs auf Duisburg 1944. Im Ergebnis des Films ergibt das Außerirdische, die das Ehepaar Eylandt seit dem Krieg im Keller versteckte und die 2006 zurückgeholt wurden, weshalb es zum erwähnten Stromausfall kam. Vielleicht ist das nicht einmal zu wenig, um mit Paranoia und Verschwörungstheorien zu spielen, vielleicht beginnt da schon das schlecht Gemachte von Die Eylandt-Recherche. Was es mit dem spurlosen Verschwinden der Josefine Eylandt und der Ermordung des Sohnes ihres Großcousins tatsächlich auf sich hat, mag überprüfen, wer will.

Ein vielleicht schwaches Beispiel dafür, daß der Film, um es mit den Worten eines sehr geschätzten Kollegen zu sagen, so schlecht ist, daß er schon wieder schlecht ist: Er beginnt mit dem mit grünstichiger Nachtsichtkamera festgehaltenen Moment, als ein Lokalreporter (echt: Karsten Vüllings, neben seiner journalistischen Tätigkeit Mitglied der im Duisburger Rat vertretenen dubiosen Partei »Bürgerlich-Liberale BL« und mit seinem »ruhrigen« Tonfall so etwas wie der Authentizitätsverkörperer und Sympathieträger des Films), ein Detektiv und irgendeine Frau beschließen, in das Wohnhaus der Familie Eylandt einzubrechen, bis sie im Keller angelangt und anscheinend des Rätsels Lösung gefunden haben. Schnitt, es folgt der protzige Vorspann (der so aussieht, als sei dafür das meiste Geld draufgegangen; auf jeden Fall können die deutschen Darsteller für ihre Darbietungen nicht ernsthaft Bezahlung verlangt haben). Die relativ lange Einstiegssequenz kommt dann konventionellerweise später im Film noch einmal, um dann auch dem Zuschauer, sollte er noch wach sein, des Rätsels Lösung zu zeigen. Doch die Szene wird nicht einfach nur kurz »angerissen« – »aha, da sind wir wieder« – um dann weiter zum Moment vor der verschlossenen Kellertür zu schneiden, sondern in voller Länge, vom Auto ins Haus in den Keller, mit dem gleichen Dialog, ohne Kommentar oder irgendeine Änderung, wiederholt. Klar ist Zeitschinden das herrschende Prinzip der vor allem televisionären Pest der Deppen-, vulgo Mysterydokus; hier aber wird offensichtlich: Der Film muß Teile seines ohnehin allerdürftigsten Materials auch noch doppelt verwenden, um sich wenigstens über die 80-Minuten-Hürde zu retten. Der Film ist von einer Genreparodie weiter entfernt als Außerirdische von unserem Planeten.

Kaum traut man sich zu erwähnen, daß während seiner Startwoche und noch dazu am Ort der Premiere von Die Eylandt-Recherche die 32. Duisburger Filmwoche läuft. Trotz ausliegenden »Extrablattes« taucht der Film nicht einmal in den bierseligsten nächtlichen Gesprächen der ja durchaus lästerfreudigen Festivalgemeinde auf. Weil er zu nichts taugt. 2008-11-04 16:20

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap