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Rumba

F/B 2008. R,B: Dominique Abel, Fiona Gordon, Bruno Romy. K: Claire Childeric. S: Sandrine Deegen. M: div. P: MK2 Productions, Courage Mon Amour u.a. D: Dominique Abel, Fiona Gordon, Bruno Romy, Philippe Martz, Clément Morel u.a.
77 Min. X Verleih ab 6.11.08

Schwing das Bein

Von Jutta Klocke Nein, dies ist kein neuer Aufguß des üblichen Tanzfilms, in dem junge Menschen unter jeder Menge Schmerz und Transpiration dem ersehnten Rampenlicht, der eigenen Selbstverwirklichung oder einfach nur der Brust des Angehimmelten entgegenhüpfen. Was das Erleiden von Entbehrungen angeht, können all die bisher dagewesenen Dance Sensations allerdings noch einiges von den hiesigen Protagonisten lernen, einem mit Leib und Seele dem Rumba verschriebenen Lehrerehepaar in der französischen Provinz. Das Glück der beiden, die nach dem Unterricht nicht schnell genug zum Üben in die Schulturnhalle kommen können, findet nach einem Autounfall ein jähes Ende. Fiona verliert ein Bein, Dom sein Erinnerungsvermögen. Beide gemeinsam verlieren ihre Jobs und ihr Zuhause, nachdem zuerst ein romantisches Lagerfeuer das nagelneue Holzbein und dieses daraufhin alles Hab und Gut in Brand setzt. Und schließlich verlieren sie auch einander, weil Dom sich nicht mehr an den Heimweg erinnern kann und – ohne sein Wissen – beim einstigen Verursacher der nicht enden wollenden Katastrophe unterkommt.

Zuviel Unglück für einen einzigen Film? Mitnichten, denn Rumba nimmt all die tapfer ertragenen Schicksalsschläge nur zum Anlaß für ein leise vor sich hin explodierendes Slapstickgewitter, eingepflanzt in ein buntes Setting, das den alltäglichsten Kulissen einen träumerischen Anstrich verleiht. Mit Realitätsnähe oder gar Authentizität will diese kleine Geschichte um zwei Optimisten, die sich nicht unterkriegen lassen, nichts zu tun haben. Deshalb darf die Handlung auch ruhig an den Haaren herbeigezogen sein. Die Konzentration des Regietrios lag allein auf der visuellen Gestaltung und – das haben der Tanz und die Komik gemein – dem richtigen Rhythmus.

In seiner Liebe zum Ausstattungsdetail und dem Verzicht auf Sprachwitz, genauer auf Sprache allgemein, zugunsten einer reinen Situationskomik nimmt sich Rumba liebenswert altmodisch aus; die vielfach gezogenen Vergleiche mit den Slapstickmeistern der Stummfilmära oder Jacques Tati kommen nicht von ungefähr. Die Nähe der Filmemacher zur Bühne ist auch hier deutlich zu spüren, und die Komödie selbst bezieht keinen geringen Teil ihres Humors aus der Koketterie, mit der die Regeln des heutigen Haudraufkinos mißachtet werden. Filmtechnische Tricks sind bewußt dilettantisch ausgeführt, Musik findet ihren Einsatz nur dort, wo sie Teil der Handlung ist, und die Kamera erlaubt sich keine unnötigen Abschweifungen. Den zurückhaltenden und dennoch burlesken Humor hat man zuletzt weniger im Kino als eher in britischen Comedyserien erlebt. Dem Zuschauer entweicht kaum ein schallendes Gelächter, sondern höchstens ein verdutztes Wundern oder stilles Schmunzeln. Aber wie beim Witz selber kommt es auch bei der emotionalen Reaktion eben nicht auf die Lautstärke an. 2008-11-03 11:55

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

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