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Mirrors

USA 2008. R,B: Alexandre Aja. B: Gregory Levasseur. K: Maxime Alexandre. S: Baxter. M: Javier Navarrete. P: New Regency Pictures, Castel Film Romania. D: Kiefer Sutherland, Paula Patton, Cameron Boyce, Erica Gluck, Amy Smart, Mary Beth Peil, Jason Flemyng u.a.
110 Min. Kinowelt ab 30.10.08

Mirror, Mirror on the Wall

Von Nils Bothmann Eine Credit-Sequenz, in der die Kamera einfach normales Stadtgeschehen von oben zeigt, und doch allein durch Inszenierung und Musik das Gefühl unterschwelliger Bedrohung aufgebaut wird: Das gab es in Bernard Roses großartigem Candymans Fluch, und die Credit-Sequenz von Mirrors kann einen ähnlichen Ton etablieren. Zudem weist Mirrors noch eine Parallele zu Roses Clive Barker-Adaption auf: Er gehört zu der unterrepräsentierten Gruppe der Großstadthorrorfilme. Es mag an der hohen Menschenmenge und der Nähe der nächsten Polizeiwache dort liegen, jedenfalls verlegt sich der Horrorfilm sonst wahlweise in ländliche Gefilde, weit abgeschlagene Feriencamps oder die Vorstadt.

Basierend auf dem koreanischen Into the Mirror präsentiert Alexandre Aja ein Remake, das durch Veränderungen auch für Kenner des Originals interessant ist und als gutes Genrekino funktioniert. Nachdem die asiatischen Horrorfilme der letzten Jahre schon sämtliche Medien als potentiellen Hort des Bösen durchgenudelt hatten, sind es hier nun die Spiegel, die ihre Opfer in den Tod treiben. Also muß der Hauptcharakter mal wieder hinter des Rätsels Lösung kommen, ehe das übersinnliche Gesindel ihn samt Familie wegrafft, was nicht gerade neu ist, doch Aja erzählt seine Geschichte spannend, mit dem nötigen Drive und einer leicht abstrusen, in sich aber geschlossenen Backgroundstory.

Von daher mag Mirrors keine Innovationspreise gewinnen, doch gutes Handwerk ist immer noch gutes Handwerk: Die Schockeffekte sitzen, und je weiter der Film fortschreitet, desto weiter treibt Aja sein Spiel mit der Tatsache, daß sich überall in unserem Leben spiegelnde Flächen befinden. Zudem kann Mirrors mit Kiefer Sutherland einen Hauptdarsteller vorweisen, der den Familienvater im Kampf um seine Lieben ausgesprochen überzeugend verkörpern kann. Gleichzeitig schwingt sein 24-Image ungewollt auch in diesem Film mit, weshalb ein Satz wie »Don't make me threaten you« noch mal ganz anders wirkt.

Nur gelegentlich gerät Aja, der mit seinen blutigen Filmen High Tension und The Hills Have Eyes zum gefeierten Horrornachwuchs aufstieg, etwas aus dem Takt, z.B. bei einer etwas überzogen brutalen Todesszene in der Badewanne. Abgesehen von solchen Unfeinheiten ist Mirrors dann auch stimmig; und die Schlußpointe mag keine Neuerung im Genre sein, ist aber definitiv eine willkommene Abwechslung zu all den Filmen, an deren Ende der Hauptdarsteller feststellt, daß er entweder seit Filmbeginn tot oder in Wahrheit selbst der Täter ist. 2008-10-27 10:11

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

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