— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Elli Makra – 42277 Wuppertal

D 2007. R,B: Athanasios Karanikolas. K: Susanne Schüle. S: Monika Weber. P: Unafilm. D: Anna Lalasidou, Niki Papadopoulos, Kiriakoula Bloukou, Anastasia Avenidou-Bartram, Panagiotis Chatzimoissiadis, Georgios Lambretas u.a.
82 Min. Mîtosfilm ab 23.10.08

Kalimera Wuppertal

Von Susan Noll Das Bild eines Schiffes verheißt viele Geschichten. Abschied, Neubeginn, Reise, Vorausfahrt in eine unbekannte Zukunft, Heimkehr. Auch die Schwebebahn in Wuppertal ist wie ein Schiff. Sie durchschneidet die Luft wie ein Boot das Wasser, bringt Menschen an ein neues Ziel oder einfach nachhause. Elli Makra ist einer von diesen Menschen. Unbeteiligt und traurig fährt ihr Blick über die grauen Industrielandschaften Wuppertals, während die Bahn sie von der Arbeit nachhause bringt. Dieses Zuhause ist allerdings nicht ihr eigentliches; Elli ist in Griechenland geboren, und dorthin will sie zurückkehren. Es war ihr letzter Arbeitstag in Deutschland, jetzt hält sie nichts mehr.

Die Heimreise muß allerdings verschoben werden. Der Vater in Griechenland stirbt, und Ellis Schwester, die sich um die Formalitäten kümmern muß, bringt ihre Tochter Niki bei Elli unter. Der Plan zur Rückkehr nach Griechenland gerät ins Wanken, Elli ist hin- und hergerissen. Wie eine Suchende läuft sie immer wieder durch Wuppertal, beobachtet, denkt nach. Ihrem Ehemann, den sie verlassen hat und der ihr nachstellt, weicht sie aus. Aus ihren Gesten spricht Wut und Verzweiflung, die Aufbruchstimmung weicht dem Stillstand.

Elli Makra - 42277 Wuppertal erzählt die Geschichte von der Hoffnung auf ein besseres Leben und der Rückkehr in die Heimat, wenn man in der Fremde genug gearbeitet hat. So ist Ellis Geschichte auch die vieler anderer Einwanderer in Deutschland: Der Traum ist geplatzt, und man bleibt ungewollt hängen in einem Land, in dem man nicht zuhause ist. Ein Schicksal, das der Film in distanzierten, beobachtenden Bildern zeigt. Die Kamera begleitet Elli auf ihren Wegen durch Wuppertals leere Straßen und findet so ein Sinnbild für die Einsamkeit dieser Frau. Die Beobachtung wird zum Paradigma, die Figur ist nur von außen zu erkennen, genauso, wie sie selbst ihre Gefühle von anderen abschirmt und ihre Umwelt permanent skeptisch taxiert. Nur vereinzelt brechen sich Stimmungen bahn und kommen an die Oberfläche, wenn Elli mit ihren Schwestern zusammen ist oder sie bemerkt, wie sehr sie sich in der jungen Niki wiedererkennt. In diesen Momenten wird die Kadrierung kleiner, verschwindet die Distanz und sucht die Kamera die Nähe zum Gesicht der Darstellerin Anna Lalasidou. Diese schafft es in jeder Sekunde, stoisch und bewegt zugleich der Zerrissenheit ihrer Protagonistin Ausdruck zu verleihen.

Der Film versucht, den Gegensatz von Aufbruch und Stillstand auch dramaturgisch zu vermitteln. Zum Ende hin wird die Handlung in ihrem Fluß entschleunigt, sie hängt wie Elli in Wuppertal fest. Allerdings ist das Leiden der Frau daraus nicht zu erschließen. Man fühlt mit Elli, aber verstehen kann man sie nicht. Der Film ist dahingehend zu sehr nur Charakter- und nicht Milieustudie. Das deutlichere Heranziehen der Immigrantengeschichte hätte eine Bereicherung bieten können, enthält dieser Hintergrund doch die Möglichkeit, einen Plot voranzubringen und Figuren auszuformen.

Das Immigrantenschicksal erscheint hier allerdings nur als dünne Folie, die von Zeit zu Zeit ihre Bedeutung für die Charaktere durchscheinen läßt. So ist Elli Makra - 42277 Wuppertal nicht mehr und nicht weniger als ein leises Frauenporträt, das sich etwas zu sehr im Beobachten verliert und die Geschichte, die es zu erzählen beginnt, auch zum Stillstand führt. 2008-10-23 14:27
© 2012, Schnitt Online

Sitemap