— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

High School Musical 3: Senior Year

USA 2008. R: Kenny Ortega. B: Peter Barsocchini. K: Daniel Aranyó. S: Seth Flaum. M: David Lawrence. P: Walt Disney. D: Zac Efron, Vanessa Anne Hudgens, Ashley Tisdale, Lucas Grabeel, Corbin Bleu, Monique Coleman u.a.
112 Min. Buena Vista ab 23.10.08

Zuckerschock

Von Susan Noll Es ist nicht verwunderlich, daß Mädchen im pubertären Alter für Zac Efron schwärmen. Der Junge hat ein hübsches Gesicht, und singen kann er auch noch. Das reicht für einen weiteren Teenie-Film, dachten sich wohl die Macher von High School Musical, das nun in seine dritte Runde geht. Auch der Plot gibt Grund zur Fortsetzung und Beendigung der Reihe, erst- und letztmals hierzulande als Kinofilm: Die süßen Schüler aus High School Musical 1 und 2 sind jetzt schließlich im Senior Year und werden die High School bald gegen die Uni eintauschen. Vorher muß an der East High School aber noch ein Musical auf die Beine gestellt werden. Zac Efron in seiner Rolle als Troy Bolton, Kapitän der Basketball-Mannschaft und Liebling aller Mädchen, spielt sich darin selbst. Ebenso machen es seine Freundin Gabriella, sein bester Kumpel Chad und alle anderen der Drama Group. Worin nun also die Schwierigkeit der Darstellung bestehen soll, bleibt auch dem Zuschauer verborgen. Schließlich wird doch ohnehin die ganze Zeit gesungen und getanzt, da ist die Show praktisch sowieso ein Musical im Musical.

Eines muß man sagen: Die jungen Darsteller haben Talent, sie können tanzen und singen und wahrscheinlich auch spielen, nur bekommen sie leider nie die Gelegenheit, sich darin so richtig zu beweisen, denn die Geschichte verlangt nicht viel von ihnen: Konflikte wie der zwischen Vater und Sohn, die Trennung von der ersten großen Liebe, die Suche nach der eigenen Identität oder die Intrigen der Highschool-Barbie gegen die Hauptdarstellerin der Show sind bereits oft in amerikanischen Teenie-Filmen breitgetreten worden. Daß sich auch High School Musical 3 dieser Muster annimmt, ist unvermeidlich, denn es sind dann doch Geschichten, die das Schulleben so oder anders schreibt. Dröge sind die daraus entstehenden Verwicklungen trotzdem allemal. Da hätte schon ein bißchen mehr Arbeit in das Drehbuch gesteckt werden können, um die Story nicht mit beliebigen Dialogen und dramaturgischen Konventionen zu vereinfachen. Den bekannten Plot in der Umsetzung nun als Musical zu gestalten, hätte ein guter Ansatz sein können, läßt sich die Schwere des Lebens doch viel einfacher ertragen, wenn man die Probleme einfach wegtanzt und seinen Träumen lautstark beim Singen Ausdruck verleiht. Negative Energien in etwas Produktives umwandeln, könnte hier das berühmte Coming-of-Age-Credo sein. Die Sache ist nur, daß diese Highschool-Schüler überhaupt keine Probleme haben. Sie leben in einer perfekten Eierkuchenwelt, in der das größte Problem die Wahl des richtigen Outfits darstellt. Selbst wenn Troy und Chad auf dem Schrottplatz nach Ersatzteilen für ihre gewollt auf heruntergekommen getrimmten Autos suchen, begrüßt sie der erst so finster dreinschauende Rocker-Inhaber mit Handschlag und entpuppt sich als netter Teddybär. So wird auch jede optische Woge sofort in disneytypischer Manier geglättet. In glänzenden, quietschbunten Kamerabildern entwickelt sich eine Dynamik nur aus der Tanzchoreographie heraus, der Schnitt bleibt gewohnt zurückhaltend und konventionell.

So schön ist aber keine Highschool und auch kein Teenagerleben. Hausaufgaben gibt es auch in Amerika, und die Zeiten, in denen das dicke Mädchen oder der Computerfreak gemobbt werden, gehören sicher auch noch nicht der Vergangenheit an. Nun ist es wahrscheinlich vermessen, von einem Musical etwas mehr Realismus zu fordern, denn sonst wäre es kein Musical geworden. In diesem Film aber klebt und tropft die Poesie nur so von der Leinwand. Und dabei ist sie noch nicht einmal berührend, sondern nur eines: unheimlich harmlos. Jede mögliche Spannung zwischen den Figuren, die auch der Dramaturgie etwas Pfeffer hätte verleihen können, wird sofort durch ein Lied oder eine vorhersehbare Wendung entschärft. Die vielen Momente der Zweisamkeit, die Troy und Gabriella gegönnt werden und in denen man sich wundert, warum das verliebte Pärchen sich nur verträumt in die Augen schaut und nicht mehr passiert, sind dafür typisch. Denn an Erotik ist ob der Süßlichkeit gar nicht zu denken, und so muß man auf einen – sehr zurückhaltenden – Kuß zwischen dem Traumpaar bis zum finalen Akt warten.

High School Musical 3 ist ebenso bunt wie seine Vorgänger und genauso nett, wie es sich für einen Disney-Film gehört. Die Reihe wird ihre bedingungslos liebenden Fans also behalten. Daß diese Fans jünger sind als die filmischen Highschool-Absolventen selbst, ist klar. Alle Teenager würden sich früher oder später gelangweilt abwenden, wenn sie bemerken, daß diese süße Unschuldswelt gar nichts mit ihnen zu tun hat. 2008-10-20 15:36

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap