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Das Lächeln der Sterne

Nights in Rodanthe. USA 2008. R: George C. Wolfe. B: Ann Peacock, John Romano K: Affonso Beato. S: Brian A. Kates. M: Jeanine Tesori. P: DiNovi Pictures, Village Roadshow Pictures, Warner Bros. D: Richard Gere, Diane Lane, Christopher Meloni, Viola Davis, Becky Ann Baker, Scott Glenn u.a.
97 Min. Warner ab 16.10.08

Wolke Null

Von Werner Busch Die bewegten Bilder von erigierten Penissen, die rhythmisch in rasierte Vaginas eindringen, und gewaltige Brüste, die im gleichen Takt hin- und herschwingen, erzeugen bei einer nicht zu unterschätzenden Zahl von Betrachtern ein Gefühl sexueller Erregung. Die Verbindung zwischen Filmbild und dadurch hervorgerufener Emotion ist bei Pornofilmen überaus direkt. Bilder sich im Sessel zurücklehnender Frauen, die sich in Großaufnahme Liebesbriefe ins Gesicht drücken und dabei hemmungslos weinen, sollen den Zuschauer im vorliegenden Fall ebenfalls auf direktem Wege zu einer starken, gefühlsmäßigen Partizipation am Film drängen. Leider gelten aber für das Liebesdrama nicht dieselben Spielregeln wie für den pornographischen Film.

Richard Gere spielt den Arzt Paul Flanner, dem eine Frau – natürlich ohne sein Verschulden – auf dem OP-Tisch stirbt, was den bisherigen Karrieremann – who never stopped to smell the roses – aus der Bahn wirft. Er reist an die Outer Banks in North Carolina, um mit dem Mann dieser Frau zu sprechen. Dort trifft er in einem malerisch gelegenen Hotel – einer Art »Villa Kunterbunt« am Meer – auf die Mitvierzigerin Adrienne, gespielt von Diane Lane. Zwecks einiger Filmminuten flirrenden Nervenkitzels dauert es natürlich zwei Tage (bzw. 20 Filmminuten), bis beide endlich in der Kiste landen: ein bißchen irische Volksmusik bei einer Strandfeier, unser Paar beginnt, einsam auf der Uferpromenade zu tanzen, eine Kamerakreisfahrt, während sie sich langsam im Takt der Musik wiegen, langer Filmkuß im Close Up, gefolgt von einer Sexszene, die lediglich aus Großaufnahmen der Gesichter besteht, die beiden küssen sich, Schuß und Gegenschuß, in den weichesten Überblendungen, die sich denken lassen… Doch da zu diesem Zeitpunkt erst die Hälfte des Films verstrichen ist, muß das böse Schicksal vor dem Happy End noch einmal zuschlagen.

Selbst größte Fans einfach konstruierter, gefühlsbetonter Liebesgeschichten von Menschen in der Mitte des Lebens werden sich im Kinodebüt des Theaterregisseurs George C. Wolfe verwundert die Augen reiben: Jedes, aber auch wirklich jedes Handlungselement, jede Textzeile scheint gemeinsam mit den Schablonenfiguren aus einer unwahrscheinlich muffig riechenden Plunderkiste vom Dachboden altväterlicher Abgeschmacktheiten zu kommen. Natürlich hat die Plattheit der Buchvorlage von Nicholas Sparks daran einen großen Anteil, doch die völlig einfallslose Inszenierung im Stile eines unterdurchschnittlichen TV-Films, die am liebsten lediglich sprechende Köpfe in nahen Einstellungen abbilden will, läßt das Potential der beiden Hauptdarsteller im Regen stehen. Selbst die lebhaftesten Szenen – und davon gibt es nicht viele – gerieten dadurch so unerwartet leblos und letztenendes kalt, daß die Figuren in keiner Sekunde als solche lebendig werden können.

Und so ist es allein das Bild einer Frau, die sich weinend einen Brief ins Gesicht drückt, ein Stereotyp, eine Plattitüde – ein Klischee. Kitsch in Reinform. Keine Figur. Es besteht keine Möglichkeit zur Partizipation. Und da Genres verschiedene Spielregeln haben, ist also das, was in der Pornographie in seinem direkten, exploitativen Charakter nur recht und billig ist (letzteres gerne auch im doppelten Sinne), hier das entscheidende Element dafür, den Zuschauer völlig ungerührt und befremdet zurückzulassen. So viele menschliche Regungen auf der Leinwand, so wenig Regung im Zuschauer. Aber das ist alles Theorie.

In der wirklichen Welt genügen ein paar hübsche Landschaftsaufnahmen und zwei bekannte Namen, um Das Lächeln der Sterne an seinem Startwochenende in den USA auf den zweiten Platz der Kinocharts zu heben. Sicherlich wird der Film auch in Deutschland seinen Schnitt machen. Es gibt keine Gefühlspornographie, und doch gibt es sie. Hier zu besichtigen. Katastrophenkino mal anders. Was nützt die Liebe in Gedanken? 2008-10-16 10:14

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