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Zweier ohne

D 2008. R,B: Jobst Oetzmann. K: Tomas Erhart. S: Cosima Schnell. M: Dieter Schleip. P: Lichtblick Film- und Fernsehproduktion, filmpool. D: Tino Mewes, Jacob Matschenz, Sophie Rogall, Peter Harting, Alexandra Schalaudek, Lena Stolze u.a.
93 Min. Stardust ab 16.10.08

Ich und Ich

Von Arezou Khoschnam In jeder Freundschaft kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man sich fragt, warum man eigentlich miteinander befreundet ist. Der 17jährige Johann weiß die Antwort: »Ludwig nimmt mir meine Angst«, erzählt er dem Zuschauer mit ruhiger Stimme aus dem Off, als bereits nichts mehr so ist, wie es einmal war. Ihn und den gleichaltrigen Ludwig verbindet keine normale Freundschaft. Sie fahren zusammen die Ruderformation »Zweier Ohne«, was bedeutet, daß sie ohne Steuermann rudern. Um die für den Rudersport größtmögliche Synchronität zu erlangen, wollen sie wie Zwillinge aussehen, denken und fühlen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Aus der Freundschaft wird schnell ein unausgesprochener Pakt, den der undurchdringliche Ludwig mit radikaler Konsequenz verfolgt. Johann hingegen begegnet dem auffällig aggressiven Freund mit zunehmender Ratlosigkeit.

So auch der Zuschauer. Während ihm Johanns Gedanken durch dessen Position als Erzähler wie auch mittels der sehr authentischen Mimik von Tino Mewes vermittelt werden, bleiben Ludwigs Beweggründe im Verborgenen. Zum einen liegt das an der grandiosen schauspielerischen Leistung von Jacob Matschenz. Zum anderen ist dies auf das Drehbuch von Regisseur Jobst Oetzmann zurückzuführen. Statt dem Zuschauer die Hintergründe für Ludwigs Verhalten näherzubringen, thematisiert er dessen Persönlichkeit nur oberflächlich. Sätze wie »Seit dem Tod seiner Mutter kann er die Toten hören« dienen weniger der Charakterisierung seiner Figur als ihrer Mystifizierung. Das Coming-of-Age-Drama, als das der Film beworben wird, verliert so allmählich die Bodenhaftung. Oetzmann kreiert einen soliden Spannungsbogen, unterhalb dessen er in regelmäßigen Abständen Thrill-Elemente aufeinander folgen läßt, ohne die gewünschte Aufklärung zu bieten. Unterm Strich bleiben ein schlechtes und ein gutes Fazit: ein Film, der interessant startet, sein Pulver aber leider ziellos verschießt; und talentierte Jungschauspieler, von denen sicher noch viel zu sehen sein wird. 2008-10-14 11:40

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.
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