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Hellboy – Die goldene Armee

Hellboy II: The Golden Army. USA 2008. R,B: Guillermo del Toro. K: Guillermo Navarro. S: Bernat Vilaplana. M: Danny Elfman. P: Dark Horse Entertainment, Universal Pictures, Lawrence Gordon Productions. D: Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, John Alexander, Luke Goss, John Hurt u.a.
120 Min. Universal ab 16.10.08

Creature Feature

Von Dietrich Brüggemann Wenn jemand der Ansicht ist, daß Filme, in denen drei Meter große Monster mit Hörnern am Unterkiefer herumlaufen, die außerdem anstelle der rechten Hand eine eiserne Faust besitzen, die sie separat durch die Gegend schießen und dann mit einer langen Kette wieder einsammeln können, in denen außerdem der Held selber ein roter Teufel ist, der sich jeden Morgen die nachwachsenden Hörner abschleift, um normaler zu wirken, so wie normale Männer sich rasieren, wenn also jemand der Ansicht ist, solche Filme wären von vornherein Blödsinn, dann hat er vermutlich schon beim Titel Hellboy – Die goldene Armee zu lesen aufgehört. Was schade ist, denn damit wären hier wieder diejenigen Leser unter sich, die Filme, in denen drei Meter große Monster mit Hörnern am Unterkiefer etc. herumlaufen, prinzipiell sehr okay finden. Weil der Rest der Welt, zumindest aber der Leser dieser Zeitschrift, sich vermutlich eher für Autorenfilm interessiert, sollte man daher nicht unerwähnt lassen, daß hier nicht Uwe Boll oder sowas auf dem Regiestuhl saß, sondern Guillermo del Toro, der visionäre, hochgelobte Regisseur des Arthouse-Krachers Pans Labyrinth, der für diesen Film die Regie bei den Mainstream-Schlachtschiffen I Am Legend und Harry Potter und der Halbblut-Prinz hat sausen lassen. Und er hat gut daran getan.

Hellboy, der erste, war vor vier Jahren kein Riesenerfolg im Kino, dafür aber auf DVD. Das Studio hielt nicht viel von einer Fortsetzung – so kam es, daß ein anderes Studio die Rechte kaufte und die ganze Chose den Besitzer wechselte. Dann kam Pans Labyrinth dazwischen, auf einmal war del Toro ein Regiestar, und anscheinend war Geld diesmal nicht das Hauptproblem. Der ganze Film ist ein einziger wahnsinniger, grenzensprengender Trip. Es gibt Tiere, Kreaturen, Welten, so umwerfend und schön und aufsehenerregend, wie man sie noch nirgends je gesehen hat. Doch die wahre Qualität beweist sich darin, daß Guillermo del Toro sich eben nicht in abgefahrenen Kreaturen erschöpft, sondern genausoviel Aufmerksamkeit auf das Herz seiner Helden verwendet. Ron Perlman, der völlig in der Titelrolle aufgeht, und seine Freundin, die gelegentlich völlig in Flammen aufgeht. Ein seltsamer Deutscher, der eigentlich nur aus Nebel besteht. Ein zurückhaltender Fischmensch. Del Toro liebt sie alle, er geht mit ihnen und mit uns durch eine absurde Welt und hat dabei im Zweifelsfall immer noch eine Idee im Ärmel, die alles auf den Kopf stellt. Hellboy – Die goldene Armee ist herzergreifend, lakonisch und hysterisch zugleich, ist ein Meisterwerk, ist reines, entfesseltes Kino. 2008-10-13 11:48

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