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House Bunny

The House Bunny. USA 2008. R: Fred Wolf. B: Karen McCullah Lutz, Kirsten Smith. K: Shelly Johnson. S: Debra Chiate. M: Waddy Wachtel. P: Happy Madison Productions. D: Anna Faris, Colin Hanks, Emma Stone, Rumer Willis, Christopher McDonald, Monet Mazur u.a.
98 Min. Sony Pictures ab 9.10.08

Schmetterlinge im Hirn

Von Jakob Stählin Das leidliche Schema des frigiden, unpopulären Bücherwurms mit dicker Brille und doofer Frisur, der kontinuierlich angepaßter wird und schließlich doch den Schuljock abgreift, offeriert einen leichtverdaulichen Teenytraum, und so sprießen dessen filmische Ausläufer unermüdlich wie die Pickel aus den Poren seines Publikums. House Bunny variiert dieses Konstrukt (immerhin) insofern, als daß das scharfe offenhaarige Flittchen von Anfang an da ist, noch niemals ein Buch gesehen hat und als Mentor für eine ganze Reihe Außenseiter fungiert, die viel zu viel Zeit mit Denken verbringen. Um ihr Haus behalten zu können und nicht noch mehr wertvolle Beischlafzeit zu verlieren, lassen sich die Eigenbrödler der Studentenverbindung Zeta auf die Lifestyle-Tips des gefallenen Playboybunnys Shelly ein. Mit Testosteronködern wie einer guten alten FKK-Autowäsche lehrt Shelly den Gothik- und Hinterwäldlermädels, daß auch sie Brüste haben, daß diese populär sind und sie ihren Sexappeal gefälligst mehr einsetzen sollten, wenn sie die stereotypen Surferboys abgreifen wollen.

»Life is a popularity contest!«, formulierte der kanadische Musikallrounder Gonzales treffend die Essenz dessen, was die grobe Fratze der Adoleszenz ausmacht. Daß die mit kommerzieller Sexualität überfütterte Generation gut beraten wäre, den nichterfüllbaren Traum der naturgephotoshopten Haut aufzugeben, ist auch den Autoren von House Bunny bewußt, und so bleibt das zwischen Playboy und Bibliothek schwankende Handlungspendel letztlich in der Mitte stehen; mit viel Applaus und Tränen. Hier setzt auch das größte Manko der Geschichte ein, denn ein durch und durch unlauterer Film wird nicht dadurch besser, daß er zum Ende hin versöhnliche Moralpredigten durch die Standby-Köpfe seines Publikums schießt. Andersrum hätte es sogar gutgehen können: Wenn man etwa eine komplett verquere Weltskizze entwirft und bis zum Abspann den Wind in den Segeln läßt; so geschehen in der skurrilen Außenseitergroteske Napoleon Dynamite. Nun ist der Brückenschlag zu einem MTV-Knallbonbon wie House Bunny natürlich nicht zwingend naheliegend, doch es ist schlicht diese letzte Konsequenz, die einer Vielzahl der Hollywoodkomödien vermissen lassen.

So bleibt eine gute Hauptdarstellerin die einzige Stärke eines Films, der weder den anarchischen Humor bieten kann, nach dem er verlangt, noch die nötige Konsequenz im Plot bietet, um überraschen zu können, der Szene an Szene reiht, bis alles so kommt, wie es jeder hat kommen sehen. Jedoch watschelt Anna Faris so exaltiert und unbekümmert durch die knapp 100 Minuten, daß nicht allzuviel Langeweile aufkommt. Wie bereits ihre herrliche Tussiparodie in Lost in Translation lebt auch das Bunny Shelly von ihrem toll stringenten Spiel – ein Blödmann ist selbstverständlich erst dann witzig, wenn er auch konsequent blöd ist (man stelle sich einen gemäßigten Ace Ventura vor). Leider muß auch sie den Konventionen folgen, und eine College-Komödie ist schließlich keine College-Komödie, wenn nicht ab und an irgendwas durch Tolpatschigkeit kaputtgeht oder irgendwer hinfällt. Nun sind solche Scherze jedoch in all ihrer stilisierten Slapsticknatur schwer pointiert darzustellen, und so bleibt es ein Geheimnis der mediokren Filmemacher, woher ihre diesbezügliche Faszination rührt. Nichtsdestotrotz hält immerhin Anna Faris die Naivität, die der ganze Film verspricht, und bleibt bis zuletzt doof wie Paris Hilton. 2008-10-07 11:50

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