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Krabat

D 2008. R,B: Marco Kreuzpaintner. B: Michael Gutmann. K: Daniel Gottschalk. S: Hansjörg Weißbrich. M: Niki Reiser. P: Claussen + Wöbke, Krabat Filmproduktion, Brass Hat Films, Castel Fim Romania. D: David Kross, Daniel Brühl, Christian Redl, Robert Stadlober, Paula Kahlberg, Anna Thalbach u.a.
120 Min. Fox ab 9.10.08

Herr der Dinge

Von Eva Tüttelmann Wagt sich ein deutscher Regisseur an die filmische Umsetzung eines Fantasystoffes, der dazu noch einem vielgelobten Jugendbuch entspringt, sind die Erwartungen groß. Vor allem die negativen. Gleich stehen diejenigen Kritiker auf der Matte, die grundsätzlich gerne gegen Literaturverfilmungen wettern: Die Adaption eines ausgefeilten literarischen Werkes für das »Berieselungsmedium« Film könne ja allein schon aufgrund der prinzipiellen Qualitätsdifferenz der beiden Medien unmöglich überzeugen, glaubt manch tunnelblickbeherrschter Miesepeter. Auch hat man es nicht leicht mit der ganzen Generation junger Erwachsener, deren jeweils individuelle Fantasie in den 1970er Jahren von einem Buch beflügelt wurde und die nun mit der Vision eines Einzelnen d’accord gehen soll. Dennoch wagt sich Marco Kreuzpaintner als Drehbuchautor (mit Michael Gutmann) und Regisseur an die filmische Umsetzung des 1972 erschienenen »Krabat« von Otfried Preußler.

Ein Heranwachsender, einsam und haltlos, sucht seinen Weg und wird verführt von Macht und Besitz. Doch mithilfe der Kraft der Liebe gelingt es dem Jungen, zu widerstehen und damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitstreiter aus den vermeintlich unlösbaren Fesseln zu befreien. Unzählige Sagen und Erzählungen basieren auf dieser Parabel über die »richtigen« und die »falschen« Werte. Doch der Stoff ist derart zeit- und ortlos, daß hier wohl kaum jemand Einfalt unterstellen kann. Nicht nur die ihm zugrundeliegende Geschichte, auch der Film präsentiert sich solide und bodenständig, greift auf bewährte Techniken und Erfahrungswerte zurück. So bleibt es unvermeidbar, daß hier und da visuelle Parallelen zum Herrn der Ringe auszumachen sind – dem Herrn Gevatter steht die Ähnlichkeit zu Jacksons Ringgeistern ins nicht vorhandene Gesicht geschrieben – und sich Hansjörg Weißbrichs Schnitt in den Kampfszenen genüßlich der genretypischen Hektik hingibt.

Die Besetzungsliste liest sich beinahe ausnahmslos geschmeidig und trumpft mit deutschen Größen wie Christian Redl, Daniel Brühl und Anna Thalbach auf, die allesamt positiv zu überzeugen wissen. Unverändert zäh spielt Robert Stadlober, dessen konstante Gleichgültigkeit jedoch gegen die beeindruckende Präsenz des jungen David Kross (als Krabat) chancenlos bleibt. Kreuzpaintners Mut hat sich bezahlt gemacht – Krabat ist eine gelungene Adaption seiner Vorlage und macht auch ohne den literarischen Hintergrund Spaß. Wie gewohnt wird ein solches Projekt jedoch viele Nörgler auf den Plan rufen, denen ihr Recht auf Kritik keineswegs abgesprochen werden soll. Es darf jedoch nicht vergessen werden, daß es sich hier unvermeidlich um eine bildliche Darstellung dessen handelt, was Preußlers Text in Kreuzpaintners Kopf hinterließ. Und Subjektivität polarisiert nun mal gern. 2008-10-07 11:51

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

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