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Eagle Eye – Außer Kontrolle

Eagle Eye. USA 2008. R: D.J. Caruso. B: John Glenn, Dan McDermott. K: Dariusz Wolski. S: Jim Page. M: Brian Tyler.
P: DreamWorks SKG, Kurtzman, Orci. D: Shia LaBeouf, Michelle Monaghan, Rosario Dawson, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Ethan Embry u.a.
120 Min. Universal ab 9.10.08

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Von Cornelis Hähnel Im 18. Jahrhundert entwickelte Bentham die Grundidee des Panopticons, ein turmähnliches Gefängnisgebäude, in welchem die Insassen die ganze Zeit sichtbar sind, die kontrollierende Macht aber verborgen bleibt. Diese Scheidung von Sehen und Gesehenwerden ist im digitalen Zeitalter zum grundlegenden Wesenszug geworden. Handys, Computer, Bonuskarten, Navigationsgeräte usw. machen den Menschen sichtbar, ohne daß dieser weiß, wer Einsicht in die Informationen hat.

Jerry ist ein gewöhnlicher Twen. Doch plötzlich hat er 750.000 Dollar auf dem Konto und das Appartement voll terroristischer Ausrüstung. Er bekommt Anrufe von einer unbekannten Frau, die ihm sagt, daß er ihren Anweisungen Folge leisten muß. Zeitgleich bekommt auch die alleinerziehende Rachel diese mysteriösen Anrufe: Der Sohn Sam werde sterben, wenn sie nicht Folge leiste. So finden sich die beiden vollkommen Fremden in den Fängen einer allwissenden Kontrollinstanz wieder und müssen mitspielen, um die Fadenzieher zu entlarven.

Regisseur D.J. Caruso (Disturbia) hat mit Eagle Eye einen Verschwörungsthriller in der Tradition von Staatsfeind Nr. 1 und Auf der Flucht gedreht. Nach einer Idee von Steven Spielberg richtet sich die Technik gegen den Normalo und kontrolliert jede Bewegung. U-Bahnen, Leuchtreklamen, Stromleitungen, alles scheint die Bentham-Nachfahrin am Telefon beeinflussen zu können. Als Thriller funktioniert diese dichte Panikmache gut, Caruso schafft es, Spannungsbögen zu kreieren und Mißtrauen zu schüren. Die Actionsequenzen sind dabei aufwendig choreographiert und verzichten fast gänzlich auf digitale Tricks. Die rasante Entwicklung der Mediatisierung in den letzten Jahren gibt dem Film insofern einen durchaus realistischen Anstrich, als daß die Handlung nicht völlig hanebüchen daherkommt, sondern der Zuschauer das Potential der realisierbaren Möglichkeiten ansatzweise glauben kann. Allerdings dient der Aspekt der Überwachung letztlich nur der Aufmerksamkeitsökonomie, dem Anstrich von Authentizität und entwickelt dabei nur einen peripheren Gestus der Kritik. 2008-10-06 12:46

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

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