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Far Cry

D/CDN 2008. R: Uwe Boll. B: Masaji Takei, Michael Roesch, Peter Scheerer. K: Mathias Neumann. S: Karen Porter. M: Jessica de Rooij. P: Boll Kino Beteiligungs GmbH & Co. KG, Brightlight Pictures. D: Til Schweiger, Emmanuelle Vaugier, Ralf Moeller, Udo Kier, Chris Coppola, Craig Fairbrass, Natalia Avelon u.a.
94 Min. Fox ab 2.10.08

Im Kino hört dich keiner weinen

Von Nils Bothmann Es ist fast unmöglich, einen Boll-Film zu besprechen, ohne dabei etwas über Uwe Boll selbst zu sagen. Von allen Seiten hagelt es verbale Hiebe und Ed Wood-Vergleiche – wollte Boll einen Film drehen, der seinem Ruf entspräche, dann wäre dies wohl am ehesten etwas über außerirdische Kommunistennazis aus der Hölle, die im Verlauf der Handlung durch ein geheimes Virus-Experiment der Regierung zu kannibalischen Zombie-Werwölfen mutieren – falls jemand diesen Pitch verfilmen möchte, die Rechte trete ich zum Sparpreis ab. Uwe Boll besitzt seinem Ruf zum Trotz aber immerhin das nötige technische Know-How, zudem war bei den letzten Boll-Filmen eine Steigerung zu beobachten: House of the Dead krempelte dem Zuschauer noch die Fußnägel hoch, Alone in the Dark war dafür bloß kreuzlangweilig, BloodRayne näherte sich schon dem Mittelmaß an, und Schwerter des Königs war sogar ein passabler B-Film. Doch hinter der Reputation steckt schon eine Art Marketing-Genie: Würde man Boll als den mäßig begabten Regisseur bezeichnen, der er ist, wäre er schon längst in der Versenkung verschwunden. Durch besagten Stand und Unmengen von PR-Aktionen (z.B. öffentliches Beleidigen von Steven Spielberg und Michael Bay) sorgt Boll allerdings dafür, daß immer wieder Leute in die Filme rennen, nur um zu sagen, wie schlecht sie doch wären. Da ihm auch wichtiger ist, im Gespräch zu bleiben, als die Qualität seiner Werke, dreht Boll ohne Interesse; während engagierte B-Filmer wie Albert Pyun selbst den miesen Teil ihrer Filme noch mit Hingabe vor die Wand fahren, kurbelt Boll mit weniger Leidenschaft und mehr Geld seine Projekte herunter.

Deshalb dreht er auch mechanisch eine Videospielumsetzung nach der anderen, ohne sich um die Vorlage zu scheren, schließlich haben diese meist lediglich Titel und Namen der Hauptfigur mit dem Spiel gemein. Im Falle von Far Cry hat Boll zumindest Grundzüge des Spiels übernommen, wenngleich man die Tropeninsel lieber durch ein Eiland in Vancouver ersetzte, natürlich aus Kostengründen. Zudem mutet die Mär vom Dr. Moreau-Verschnitt, der Supersoldaten züchtet, dann doch wie eine zusammengeklaute Mischung aus Predator, Universal Soldier und Cliffhanger an.

In letzterem hatte auch der in Far Cry mitwirkende Craig Fairbrass eine Nebenrolle, der hier als aufrechter Söldner einer der beiden Schauspieler ist, die noch ansatzweise seine Würde behalten. Der andere ist Udo Kier, dessen Filmographie eh Meisterwerke neben C-Trash stellt, der den Mad Scientist mit einem Augenzwinkern verkörpert. Ansonsten bleibt das große Rätselraten, warum Til Schweiger Far Cry für den logischen Karriereschritt nach KeinOhrHasen hielt. Und warum er hier auf altem Manta, Manta-Niveau spielt, womit er zur Rolle des Actionhelden paßt wie Chuck Norris zum Part des Latin Lovers. Furchtbar untalentiert ist auch Emmanuelle Vaugier als Enthüllungsreporterin – den Redaktionskulissen nach wohl bei der Lokalzeitung Wanne-Eickel. Leid tun muß einem hingegen Ralf Moeller: Als potentieller Arnie-Nachfolger begann er mit Nebenrollen in gelungenen B-Filmen wie Cyborg und Best of the Best 2, arbeitete sich zu kleinen Parts in Hollyfilmen wie Gladiator und The Scorpion King hoch, um dann in den Trash-Sumpf abzustürzen: Hai-Alarm auf Mallorca, Auftritt in einem Scooter-Video und jetzt schon der dritte Boll-Film in Folge.

Und als wolle Boll sich auf dem Minimalerfolg von Schwerter des Königs ausruhen, fährt er in Far Cry wirklich nahezu alles auf, was einen echt beschissenen Film ausmacht: ein plump diverse Vorbilder kopierender Soundtrack. Dürftig getrickste CGI-Effekte. Eine vollkommen unmotivierte, unsinnige Pimperszene zwischen den Hauptfiguren. Eine Killer-Bitch mit aufgesetztem russischem Akzent. Den Film nicht weiterbringende Dialoge des Grauens, die von lustlos spielenden und schlecht geführten Schauspielern vorgetragen werden. Am schlimmsten jedoch sind die Versuche von Selbstironie und Komik bzw. dem, was Boll und seine Drehbuchautoren dafür hielten, neben denen allerdings selbst der platteste Witz von Tom Gerhardt noch wie filigraner Humor wirkt. Dabei hätte die unfreiwillige Komik gereicht, z.B. wenn der Ersatz-Moreau und seine fleißigen Helfernlein einem potentiellen Supersoldaten das USB-Kabel im Rücken wechseln – und das ist im Gegensatz zu Werken wie eXistenZ wörtlich zu verstehen, denn hier wird mit einem stinknormalen PC-Kabel in der Operationswunde rumgepanscht.

Das vielleicht Ärgerlichste an der ganzen Angelegenheit ist allerdings die Tatsache, daß die Schose noch mit genug handwerklichem Geschick gedreht wurde: Die Kameraarbeit bietet einige sehr schöne Fahrten, und wenn das nicht enden wollende Gelaber von ein wenig Action unterbrochen wird, blitzt auch mal saubere Arbeit durch. Einigen der wenigen Kampfszenen wird durch unmotivierte Wackelkamera und hektische Montage zwar viel Unterhaltungswert geraubt, doch es sind da unter anderem zwei ganz brauchbare Verfolgungsjagden zu sehen. Gleichzeitig offenbart dies nur die Krux diverser Boll-Filme: Für echten Trash sehen sie zu gut aus, für A-Filme oder gute B-Movies mangelt es ihnen an sonstigen Qualitäten. 2008-09-29 11:56

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