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Young@Heart

USA 2007. R: Stephen Walker. K: Eddie Marritz. S: Chris King. P: Walker George Films, Working Title Films.
109 Min. Senator ab 2.10.08

Oldies but Goldies

Von Mary Keiser Zu jung zum Sterben, aber zu alt für Punkrock-Hits? Keineswegs! Wenn man den Mitgliedern des Young@Heart-Chores zusieht, hat man auf einmal weniger Angst vor dem Alter. Vor hohem Alter sogar, denn die meisten der Sänger haben in ihrer Jugend noch Charleston getanzt. Der Dokumentarfilm begleitet den Chor beim alltäglichen Üben und bei Auftritten an ungewöhnlichen Schauplätzen.

Vor dem Film mag man noch befürchten, peinlich berührt zu sein, wenn tattrige Greise zum Beispiel »I Wanna Be Sedated« von den Ramones singen. Die Erwartungen schwanken vielleicht zwischen den Vorstellungen, daß hilflose Rentner für eine kommerzielle Idee mißbraucht werden, oder daß andererseits eine Gruppe kosmetisch Operierter mit jugendlichen Outfits ihr Alter verdrängen. Nichts von beidem trifft zu, der Film berührt zwar ganz ungemein, aber sicher nicht peinlich. Tatsächlich werden die professionellen Chor-Versionen gerade Fans von The Clash oder Sonic Youth entzücken. Zugegebenermaßen halten sich die meisten Chor-Mitglieder die Ohren zu, wenn Chorleiter Bob Cilman die Stücke zum ersten Mal in Originalversion vorspielt. Privat hören sie dann doch lieber Klassik oder auch mal Marschmusik. Doch Regisseur Stephen Walker fängt die sich steigernde Begeisterung und die Hingabe ein, mit der die durchweg symphatischen Protagonisten jeden Song solange üben, wie es sein muß. Und das kann manchmal sehr lange dauern. Es ist urkomisch, aber nicht etwa entwürdigend, wenn Stan Goldman immer wieder eine bestimmt Zeile in James Browns »I Feel Good« vergeigt. Furchtbar traurig ist es offenkundig, wenn Bandmitglieder sterben, was in der Natur der Sache liegt. Aber interessant dabei ist, daß die anderen, wie es bei jüngeren Bands üblich wäre, nicht lange darüber nachdenken, einen Auftritt deshalb abzusagen. Es könnte schließlich immer der letzte sein.

Wahrscheinlich übertrug sich diese Energie, der starke Lebenswille, auch auf den Regisseur, der dadurch einen intensiven und niemals langweiligen Film geschaffen hat. Man kann also ganz beruhigt sein, es gibt im Alter noch andere Möglichkeiten, als im Wartezimmer des Arztes über die neuesten Zipperlein zu plauschen, zum Beispiel mit guten Songs zu begeistern. Fehlt eigentlich nur noch der Hit von den 7 Seconds: »Young till I Die«. 2008-09-29 11:28

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #52.

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