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Tropic Thunder

USA 2008. R,B: Ben Stiller. B: Etan Cohen, Justin Theroux. K: John Toll. S: Greg Hayden. M: Theodore Shapiro. P: DreamWorks SKG, Red Hour Films. D: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey Jr., Nick Nolte, Anthony Ruivivar, Jeff Khan, Jay Baruchel, Brandon T. Jackson, Eric Winzenried, Steve Coogan, Valerie Azlynn, Matt Levin, David Pressman, Tom Cruise, Matthew McConaughey u.a.
107 Min. Universal ab 18.9.08

Schwarzer Humor

Von Sascha Ormanns Wenn Ben Stiller für einen Film vor der Kamera steht, läßt sich zumeist – ohne weiterführende Informationen zum Projekt – das Genre vorhersagen, noch sicherer kann man sich bei seinem darzustellenden Charakter sein. Denn spätestens seit der Farrelly-Komödie Verrückt nach Mary steht die Figur des tollpatschigen und sympathischen Mannes von nebenan prototypisch für die von Ben Stiller zu mimenden Charaktere. Im Gegensatz zu den inszenatorischen Qualitäten dieser Filme bleibt Stillers Schauspielleistung durchgehend konstant, unterscheidet sich jeweils aber nur in Nuancen von seiner vorherigen Rolle. Das ist vielleicht nicht die große Schauspielkunst, der Erfolg gibt ihm aber Recht: Laut dem amerikanischen Forbes Magazine gehört er zu den am besten bezahlten Schauspielern Hollywoods. Seine Komödienerfolge sind es dann wohl auch, die ihm die Freiheit als Regisseur einräumen, das zu tun, wonach ihm der Sinn steht.

Sieben Jahre nach Kinostart von Ben Stillers letztem Regieprojekt Zoolander, stand ihm jetzt für Tropic Thunder (gerüchteweise) ein Budget von circa 100 Mio. Dollar zur Verfügung, herausgekommen ist dabei ein alles andere als politisch korrekter Film, der sich häufig kompromißlos weit aus dem Fenster lehnt. Schon vor seinem Kinostart wurden in den USA Stimmen laut, Ben Stiller mache sich in Tropic Thunder über Menschen mit geistiger Behinderung lustig. Die amerikanischen Behindertenverbände übersahen dabei jedoch die eigentliche Intention des Filmemachers – Stiller macht sich nicht über Behinderte, vielmehr über die Schauspieler, die diese spielen, lustig und persifliert den (herablassenden) Umgang Hollywoods mit dieser Thematik.

Es sind vor allem die Leistungen zweier Darsteller, die das größte Amüsement des Films ausmachen: Zum einen überzeugt Robert Downey Jr., der für den Film im Film einen method actor spielt, der seine Haut operativ einfärben läßt, um einen Afroamerikaner spielen zu können. Hierzu sei noch erwähnt, daß es die deutsche Synchronisation nicht vermag, sein Spiel in Gänze zu transportieren, da der von Downey Jr. durchaus schwarze Duktus des Originals im Deutschen einfach fehlt. Desweiteren zeigt Tom Cruise, daß er entgegen aller Erwartungen doch in der Lage ist, selbstironisch zu sein: Ihm bei der Interpretation eines Studiobosses zuzusehen – wenn man ihn im Fettanzug denn erkennt – ist schon ganz großes Tennis, vor allem mit dem Wissen im Hinterkopf, daß Cruise tatsächlich (Mit-)Besitzer eines Filmstudios ist.

Tropic Thunder ist eine bisweilen zynische Kriegskomödie, die das Blockbusterkino Hollywoods und seine Vermarktungsstrategien parodiert. Die größte Schwäche des Films liegt jedoch in seiner Dramaturgie, die ihn partiell in das Action-Genre einreiht, das er doch eigentlich nur parodieren wollte. Die Effekte in Stillers vierter Regiearbeit können durchaus mit ernstgemeinten Genrebeiträgen mithalten, wirken hier in ihrer Form jedoch unpassend und vermögen es nicht, sich der Handlung unterzuordnen. Gelingt es Ben Stiller noch, seine Protagonisten großartig – durch dem Film vorangestellte und teilweise brüllend komische Trailer – einzuführen, krankt Tropic Thunder spätestens in der zweiten Hälfte sowohl an der fehlenden Chemie zwischen einzelnen Darstellern als auch an der Konstruiertheit der Handlung. Einzelne Witze und Zitate für sich betrachtet sind durchaus imposant, doch gelingt es Ben Stiller leider nicht, ein rundes und durchweg unterhaltendes Gesamtwerk abzuliefern. 2008-09-17 11:58

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