— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Redbelt

USA 2008. R,B: David Mamet. K: Robert Elswit. S: Barbara Tulliver. M: Stephen Endelman. P: Sony Pictures Classics. D: Chiwetel Ejiofor, Rodrigo Santoro, Emily Mortimer, Randy Couture, Tim Allen, Mike Goldberg, Josh Rafferty, Joe Mantegna, Max Martini, David Paymer, Rebecca Pidgeon, Alice Braga u.a.
99 Min. Sony ab 18.9.08

Der Prügelknabe

Von Nils Bothmann Das Genre des Kampfsportfilms glänzte von jeher selten mit Innovationen, doch angesichts der Offerte, daß ausgerechnet Thrillerspezialist David Mamet, der zudem als vielbeschäftigter Autor von Bühnendramen bekannt ist, einen Martial-Arts-Film drehte, konnte man auf neue Impulse für das Genre hoffen – leider vergebens, wie Redbelt deutlich beweist. Zumal Mamets Werk kein eindeutiger Kampfsportfilm sein will, gleichzeitig möchte er auch noch Drama und Thriller sein.

Mamet verschaffte sich mit Regiearbeiten wie Spartan oder Die unsichtbare Falle und Drehbüchern zu Filmen wie Brian De Palmas The Untouchables und John Frankenheimers Ronin auch einen hervorragenden Ruf als Plotkonstrukteur, weshalb Redbelt gerade hier besonders enttäuschend wirkt. Die Handlung um einen in Schwierigkeiten geratenden Jiu-Jutsu-Trainer wird ohne Gespür für Linearität oder erkennbare Kausalität abgespult, sodaß zum Schluß die Frage bleibt, ob die ganze Geschichte nun eine unglaubwürdige Reihung von Zufällen war oder eine überkonstruierte Verschwörung hinter all dem steckt, die sich CIA, KGB und MI-6 nicht komplizierter hätten ausdenken können. Doch egal, wie man es sehen möchte: Bei den beiden Möglichkeiten bleibt die Wahl zwischen Not und Elend.

Dementsprechend wenig fesselt also die Geschichte, in der scheinbar alle fiesen Charaktere, egal ob Barbesitzer, Hollywoodgröße oder Kampfsportmanager, miteinander kooperieren, und nur der Held wagt den Ausbruch. Als wäre das nicht schon öde genug, treibt Redbelt die Schwarzweißmalerei noch auf die Spitze: Mit wenigen Ausnahmen leisten sich sämtliche Nebenfiguren moralische Fehlleistungen und spielen damit den Bösewichten in die Hände, lediglich der von Chiwetel Ejiofor verkörperte Held bleibt stets edel und seinen Prinzipien treu. Damit bewegt sich Redbelt stellenweise in den Tiefen des Gutmenschenkinos, und der an sich recht talentierte Ejiofor beschränkt seine Leistung darauf, meist wie ein geprügelter Hund zu gucken, weshalb auch das menschliche Drama bei der ganzen Sache selten funktioniert. Zumal sich das »You know the escape«-Gerede des Helden dann doch als nur wenig unterschiedlich von der »Hear the sound of one hand clapping«-Philosophie einschlägiger Kampfsportfilme erweist.

Überraschenderweise schlägt sich Redbelt auf jenem Gebiet noch am besten, auf dem Mamet die wenigste Erfahrung hat, nämlich im Kampfsportbereich. Angesichts der Beteiligung von Martial Arts-Profis wie Simon Rhee, Randy Couture und John Machado ist dies kein großes Wunder. Die Kampfszenen, die starken Fokus auf Brasilian Jiu Jutsu legen, kommen daher recht realistisch daher und bilden trotz ihrer geringen Anzahl die kleinen Höhepunkte des Films. Leider macht Redbelt aber auch hier Fehler. Zum einen wirkt die Verwendung hektisch eingeschnittener Close Ups in den Kämpfen nicht dynamisch, sondern raubt viel eher die Übersicht. Zum anderen fehlt es dem Finale an Dramaturgie: Es kommt urplötzlich, der Held drischt erst diverse Handlanger zusammen (die ihn natürlich alle zuerst angreifen), ehe sich dann eine Prügelei am Ringrand als Showdown erweist – auf den natürlich ein Kitsch-Ende sondergleichen folgt. Schade um das handwerkliche Können der Beteiligten, aber damit verliert Redbelt auch gegenüber weniger ambitionierten Projekten wie dem kürzlich gestarteten The Fighters deutlich. 2008-09-16 10:06

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap