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Wanted

USA 2008. R: Timur Bekmambetov. B: Michael Brandt, Derek Haas. K: Mitchell Amundsen. S: David Brenner. M: Danny Elfman. P: Marc Platts Prod. D: James McAvoy, Morgan Freeman, Terence Stamp, Thomas Kretschmann, Common, Angelina Jolie, Kristen Hager, Marc Warren, David O'Hara, Konstantin Khabensky, Dato Bakhtadze, Chris Pratt u.a.
110 Min. Universal ab 4.9.08

Vom Totschießen und Totlabern

Von Nils Bothmann In Shoot 'Em Up gibt es eine Szene, in der ein Fiesling sich gegen Ende des Films noch mal wortreich rechtfertigen will, doch der genervte Held schießt ihm kurzerhand in den Kopf. Würde er den Kontrahenten stattdessen noch minutenlang quatschen lassen, wobei bestenfalls zwei für den Zuschauer interessante Sätze fallen, dann würde die Szene wunderbar in Wanted passen, der eine Art Shoot 'Em Up-Variante darstellt, nur leider ohne dessen Selbstironie, dafür mit der Extraportion Pathos.

Allenfalls die erste halbe Stunde, in welcher der kleine, drangsalierte Büroangestellte Wes erfährt, daß er der Nachkömmling eines Elitekillers ist, in dessen Fußstapfen treten soll und danach sein Leben ändert, kann noch mit einigem Humor aufwarten. Jedoch sind genau diese 30 Minuten merklich überinszeniert, die Kamera schwirrt durch die Gegend, die Schnittfrequenz ist dermaßen hektisch, und das Bild morpht in einem fort, daß die Werke von Michael Bay und Tony Scott daneben beinahe wie gemächliche Arthouse-Filme wirken. Wirklich amüsant ist nur die Szene, in der Wes erst rabiat kündigt und danach einem falschen Freund die Tastatur ins Gesicht zimmert, worauf die umherfliegenden Tasten die Phrase »fuck yo« und ein ausgeschlagener Zahn das abschließende »u« bilden.

In der Folgezeit nimmt sich Regisseur Timur Bekmanbetov dann zurück und hört auf, den Zuschauer mit einem Übermaß an Stilmitteln zu erschlagen – dafür wird Wes' Geschichte umso uninteressanter. Denn sonderlich neu ist die Story um einen Profikillerazubi, der nach und nach seinen Auftraggebern zu mißtrauen lernt, nicht wirklich, vor allem aber auch nicht spannend erzählt. Allenfalls der obligatorische Plottwist kurz vorm Showdown ist noch erwähnenswert, ansonsten bietet Wanted allerdings bloß Plattitüden und pathetisches Geschwafel, was Bekmanbetovs Werk umso langweiliger gemacht.

Dabei wäre mehr Humor angesichts des reichlich abgedrehten Szenarios durchaus angebracht gewesen, denn in dieser Form sind die zahlreichen Überzogenheiten und Unglaubwürdigkeiten der Geschichte nur schwer zu verdauen. Kurvenfliegende Projektile mag man ja noch akzeptieren, ohne logische Erklärung von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer springende Menschen oder durch die halbe Stadt zielgenau schießende Gewehre schon weniger, und Kokolores wie »der Webstuhl des Schicksals«, welcher der Killerbruderschaft durch Strickmuster ihre nächsten Opfer vorgibt, zwingt selbst den tolerantesten Zuschauer in die Knie.

James McAvoy taugt auch nicht wirklich als Actionheld, den geplagten Bürohengst kauft man ihm dafür wirklich ab, Morgan Freeman wird mit grauenhaften Pathosmonologen verheizt, und Angelina Jolie spielt das toughe Flintenweib auf Autopilot. Ausgerechnet der deutsche Hollywood-Export Thomas Kretschmann als freischaffender Assassine und Feind von Wes' Killer-Community ist wirklich über jeden Zweifel erhaben in seiner Nebenrolle.

Selbst als reiner Ballerfilm taugt Wanted nur begrenzt, da mal wieder der offensichtliche wie häufige Ansatz von Kollege Computer evident wird, was die Actionszenen direkt zwei bis drei Nummern unspektakulärer wirken läßt. Zudem sind die Konfrontationen dünn gesät und in ihrer ironiefreien Überzogenheit teilweise regelrecht lächerlich. Und wenn der Showdown erst vielversprechend beginnt, dann aber in sinnlosem Gelaber untergeht, dann ist der Ofen endgültig aus. Dann lieber noch mal Shoot 'Em Up anschauen. 2008-09-01 10:44

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