— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Frontalknutschen

Angus, Thongs and Perfect Snogging. USA 2008. R,B: Gurinder Chadha. B: Paul Mayeda Berges, Will McRobb, Chris Viscardi. K: Dick Pope. S: Martin Walsh, Justin Krish. M: Joby Talbot. P: Linda Obst Productions, Nickelodeon Movies, Paramount Pictures. D: Alan Davies, Georgia Groome, Eleanor Tomlinson, Karen Taylor, Aaron Johnson, Liam Hess, Georgia Henshaw u.a.
100 Min. Universal ab 28.8.08

Ich glaub’ mich knutscht ein Elch

Von Nils Bothmann Aus der Sicht von Kindern und Heranwachsenden erzählte Geschichten erfreuen sich im Bereich der Jugendliteratur großer Beliebtheit – z.B. die »Bert«-Tagebücher von Anders Jaccobson und Sören Olsson, die »Der kleine Nick«-Geschichten von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé oder die »Diary of Adrian Mole«-Romane von Sue Townsend. Im filmischen Bereich wird diese Perspektive seltener eingenommen, zumal Klassiker wie Die Goonies oder Stand by Me mit Kurzgeschichten-Basis oder ganz ohne literarische Vorlage auskamen. Nun nimmt sich Kick it like Beckham-Regisseurin Gurinder Chadha der Adaption des englischen, dort recht populären Jugendbuches »Angus, Thongs & Full-Frontal Snogging« an, das im Gegensatz zu den genannten Beispielen einmal die weibliche Perspektive im Hinblick aufs Erwachsenwerden einnimmt und bereits mehrere Fortsetzung nachsichzog.

Leicht verschämt nannte man die Verfilmung auf Englisch bloß Angus, Thongs & Perfect Snogging – in Deutschland heißt der Film wie das Buch immer noch Frontalknutschen. Schade ist allerdings, daß ausgerechnet der Tagebuch-Erzählstil der Vorlage nicht ausgenutzt wird – es bleibt bei kurzen Off-Kommentaren zu Beginn und Ende des Films. Dabei hätte eine derartige Kommentierung reichlich komisches Potential geboten, wie z.B. die Brit-Literaturadaptionen High Fidelity und About a Boy zeigten, die durchaus artverwandt sind, erzählen sie doch vom Heranreifen erwachsener Kindsköpfe. Frontalknutschen versucht vor allem dadurch komisch zu sein, daß er seine Protagonistin, die 14jährige Georgia, immer wieder in Fettnäpfchen treten läßt, was durchaus amüsant ist, sich aber mit der Zeit etwas zu sehr wiederholt. Durchweg witzig hingegen sind die Einlagen mit Georgias leicht psychopathischer Katze Angus, die gerne mal einen Pudel angreift, oder der Kontrast von Georgias Weltansicht zu der ihrer Eltern. Diese sind »voll alt« (= jenseits der 30) und stoßen auf Unverständnis bei ihrer Tochter; stammen die beiden Georgia zufolge doch aus »dem Mittelalter. Oder die 70er, wie ihr das nennt.«

Frontalknutschen ist ein durchaus sympathischer Film, dessen Plot sich in den Zeiten der filmischen Globalisierung aber nicht so sehr von den Vorbildern aus Hollywood unterscheidet. Jedoch erspart Chadha den Zuschauern nicht nur die xte Prom Night, sondern schafft es, dem Film immer noch einen genuin britischen Look zu geben: Man latscht durch die typische Arbeiterstadt, sitzt unter dem grauen Himmel Englands am Strand und trägt natürlich die obligatorischen Schuluniformen. Zudem sind die Darsteller auf erfreuliche Weise an den Barbie-Idealen von so manchem US-Teeniefilm vorbeigecastet, und die Figuren können durch ihren ganz eigenen unverbrauchten Charme punkten – z.B. ein 14 Jahre alter Hugh Grant-Verschnitt, der auch noch ein Poster des Schauspielers in seinem Zimmer hängen hat.

So läuft Frontalknutschen insgesamt recht rund, ohne zu Begeisterungsstürmen zu veranlassen, begleitet von einem gelungenen Soundtrack aus Brit-Pop, Brit-Rock und Brit-Punk – nur das Finale gleitet mal wieder in übelsten Kitsch ab, wenn das Erobern von Georgias Traumtypen, die Beförderung ihres Vaters und die perfekte Geburtstagsparty zusammenfallen, natürlich begleitet von der Bloßstellung Georgias ärgster Rivalin, bis man sich den Abspann fast herbeiwünscht. Immerhin ist die Message recht lobenswert, denn Georgia muß bald feststellen, daß die Welt sich nicht nur um sie dreht. Auch sie kann andere verletzen, und ihre Eltern, die ihr stets peinlich sind, erweisen sich immer wieder als ausgesprochen verständnisvoll.

So ist Frontalknutschen insgesamt ein wenig wie seine Heldin: sympathisch, recht witzig, aber stellenweise auch etwas überdreht und anstrengend. Im Gegensatz zu seiner Heldin schafft Frontalknutschen es aber nicht ganz, sein volles Potential auszuschöpfen. 2008-08-25 11:35

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap