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Star Wars: The Clone Wars

USA 2008. R: Dave Filoni. B: George Lucas, Steven Melching, Scott Murphy. S: Jason Tucker. M: Kevin Kiner. P: Lucasfilms Animation, Lucasfilm.
90 Min. Warner ab 14.8.08

Das sind keine 35 Millimeter

Von Jakob Stählin Wenn ein filmisches Universum wie Star Wars den Wandel von Modell- zu CGI-Effekten durchlebt, reagieren die Zuschauer auf die Veränderung nicht selten stutzig. Besonders wenn Figuren, die ursprünglich als Puppen konzipiert wurden, plötzlich computeranimiert über die Leinwand huschen. Meister Yodas Figurendesign etwa ist völlig auf seine ursprüngliche Umsetzung ausgelegt; die Ewoks sowieso. Umso verwunderlicher war schon damals bei den Prequels zur klassischen Star Wars-Trilogie die Entscheidung, manche Figuren (inkl. Yoda) auf dem Rechner entstehen zu lassen. Schließlich ist es kein Geheimnis, daß der Reiz von George Lucas’ Science Fiction-Saga nicht zuletzt vom etwas trashigen Setting rührt. Ende der 1990er Jahre wurde alles anders. Die Effektspezialisten von Industrial Light & Magic waren komplett ausgebucht, um an Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung zu arbeiten, und in konstanter Steigerung kulminierte Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith schließlich in nahezu ausschließlich digitale Kulissen. Jedoch konnte der Film durch stimmiges Design, jahrzehntelang aufgeladenen Pathos durch den selbstkreierten Mythos sowie einer soliden Handlung punkten.

Star Wars: The Clone Wars, ein Vorbote der gleichnamigen Animations-TV-Serie, ist inhaltlich nach Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger angesiedelt und bedient sich ebenso wie die gesamte zweite Star Wars-Welle der Mythen seines Kosmos’ – ohne jedoch je deren Ton zu treffen. Vielmehr werden bereits dagewesene Sequenzen gestelzt variiert: grammatikalisch falsche Kalenderweisheiten von Yoda und Lichtschwertkämpfe im Sekundentakt. Regisseur Dave Filoni und sein Animationsteam erfüllen also die vermeintlichen Erwartungen der Star Wars-Fans, fügen dem jedoch absolut nichts Neues hinzu. Das gering texturierte Figurendesign ist gewöhnungsbedürftig starr, und auch die ansonsten karg und konturlos animierten Landschaften sind keineswegs auf der Höhe der Zeit. Einst real gespielte Charaktere werden zu emotionslosen Lackaffen mit an einer Hand abzählbaren Gefühlsregungen. Sie erscheinen im wörtlichsten Sinne hölzern, denn selbst die Haare wirken wie geschnitzt – so läßt die fehlgeschlagene Stilisierung gar spüren, was man an Hayden Christensens Schauspielkunst hatte. Lediglich die virtuelle Kamera ist in den fast den gesamten Film einnehmenden Kampfszenen zeitweise durchaus flexibel und temporeich eingesetzt, jedoch genügt dies gerade, um die ganz kleinen Zuschauer zu erreichen. Für alle anderen bleibt der Film ähnlich aufregend wie die passive Erfahrung eines Videospiels.

Warum dieses lieblos zusammengeschusterte Machwerk entstanden ist, kann selbstredend wie so oft auf den schnöden Mammon zurückgeführt werden, hat Star Wars seine Macher doch vor allem durch Merchandise-Verkäufe reich gemacht. Da der Kunde stets bei Laune gehalten werden muß, ist es also wenig verwunderlich, daß George Lucas mit seiner Produktionsfirma Lucasfilm die TV-Serie billigt. Doch diesen überlangen, unambitionierten Spot im Kino zu verheizen ist eine kommerzielle Unverschämtheit: Das Lichtspielhaus als reine Promotion-Plattform ohne jede Kreativkraft – in diesem Sinne stellen die Klonkriege also einen Tiefpunkt des laufenden Bildes dar, für den der Beworbene auch noch eine Eintrittskarte lösen soll. 2008-08-15 15:18

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